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Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer (Gesellschaft)

verfasst von Andrea(R), 04.09.2022, 18:20
(editiert von Andrea, 04.09.2022, 18:27)

Der offensiv polemische Schreibstil der obigen Texte von Bräutigam & Klinkhammer aus den NDS und der uz liest sich unterhaltsam, flüssig und inhaltlich überzeugend. Er ist eine pointierte, scharfe, sarkastische Auseinandersetzung mit dem aktuellen Politik- und Medien-Betrieb. Rhetorisch brillant werden die genannten Politiker mit ihren gestanzten Worthülsen demaskiert.

Von Volker Bräutigam gibt es übrigens drei Bücher, die entweder im Buchhandel oder in der Bibliothek zu erhalten sind:

In Die Tagesschauer. Ein Tagesschau-Redakteur berichtet (1982) analysierte Bräutigam Strukturen und Arbeitsweisen der Tagesschau-Redaktion im Spannungsgeflecht wirtschaftlicher und politischer Einflüsse und kam noch während seiner Tätigkeit als Nachrichten-Redakteur zu dem Schluss, dass die Tagesschau das bringe, „was unsere politischen Zustände bestätigt und verfestigt und was die von den öffentlichen Medien gesteuerten Massen angeblich hören und sehen wollen“. Ursachen machte Bräutigam vor allem in der von ihm mitbezeugten massiven parteipolitischen Einflussnahme über die Aufsichtsgremien aus: „Keiner wird bei uns Intendant, der den Parteien insgesamt kritisch gegenüber steht. Keiner wird Chefredakteur, es sei denn er hat die richtigen Beziehungen oder das richtige Parteibuch“. In einer Rezension für Die Zeit bezeichnete Hans-Heinrich Obuch die Momentaufnahmen und Informationen Bräutigams als „anschaulich und exakt“. Sie erhellten dem Leser „Mechanismen einer aktualitätsverpflichteten, oberflächlichen Nachrichtenzubereitung“.

In Die Falschmünzer-Republik – Von Politblendern und Medienstrichern (2009), von Klaus Stuttmann illustriert, stellt Bräutigam seine Kritik an der mangelnden Beachtung des Rundfunkrechts dar. Die Massenmedien würden mehrheitlich „mittels Falschinformation und aggressiver Intoleranz“ die bestehenden gesellschaftlichen Missverhältnisse rechtfertigen, sie fördern und verschärfen. Dabei würden die Medien zu „Falschmünzer(n) im Interesse jener Eliten, die unbegrenzt Reichtümer aufhäufen und mittlerweile unbeschränkt Macht ausüben. Und dies ohne jede demokratische Legitimation.“ Bräutigams Kritik bezieht sich hauptsächlich auf die China-Berichterstattung.

Die Macht um acht - Der Faktor Tagesschau (2017), die Bräutigam und Klinkhammer gemeinsam mit Ulrich Gellermann verfassten, widmet sich der Darstellung, „dass die Tagesschau-Maschine weder verlässlich noch neutral und keinesfalls seriös ist. Sie ist nur wenig anderes als eben fünfzehn Minuten Staatsfunk.“ (Vorwort) In den Blättern für deutsche und internationale Politik hebt Daniela Dahn in ihrer Rezension Das Echolot der Macht hervor, die Autoren argumentierten bei ihren Rügen der Verstöße gegen Programmrichtlinien sehr präzise. Die Mitwirkungsmöglichkeit der Zuschauer in Form von Kritik erweise sich angesichts der Unangreifbarkeit des Rundfunkrats als Farce. Es sei aber wohl noch mehr als nur ein dreister Anspruch auf Unfehlbarkeit, wie die Autoren vermuteten, sondern nach Auffassung Dahns möglicherweise noch schlimmer: „Die Programm-Redakteure würden sicher auch lieber über brisante Hintergründe berichten, als die ewig gleichen Klischees zu wiederholen. Doch nur wenn sie – vielleicht sogar unbewusst – eben diese Klischees bedienen, können sie mit Anerkennung rechnen. Ja, man gewinnt den Eindruck, als horchten sie fast nur auf das Echolot der sie fördernden Hierarchien – darüber hinaus gehören interessierte Zuschauer und Leser gar nicht zur Zielgruppe.“

"Die Macht um acht - Der Faktor Tagesschau"(= Neue Kleine Bibliothek. 241). PapyRossa Verlag, Köln 2017, ISBN 978-3-89438-633-7.

 

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