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Bewegender Abschied von Bernd Nitzsche
von Alfons Förster
Veröffentlicht in der Sächsischen Zeitung, Sa, 20. Juni 2009
300 Trauergäste, darunter Oberbürgermeister Stefan Skora, gaben dem Sänger gestern das letzte Geleit in Kühnicht.
Ein Nachruf.
Lieber Bernd,
eines Deiner Programme trug den Titel eines unserer Songs: „Ich brauche ein Lied“.

Ralf Benschu
In unseren häufigen Diskussionen um
Richtungen, Texte, Musik und Organisatorisches konntest Du andere
Standpunkte akzeptieren, ohne zermürbende Kämpfe um Sieg oder
Niederlage auszufechten; um vielleicht – diplomatisch geschickt – in
günstigerer Konstellation wieder auf Deine Idee, Deine Ansicht
zurückzukommen. Wir alle waren häufiger einer Meinung als wir es nicht
waren. Das ist die entscheidende Bilanz.
Und Du konntest kämpfen; unauffällig, aber
zäh. Einen ganzen Aktenordner füllten Deine Bemühungen – Anträge,
Begründungen, Ablehnungen, Befürwortungen und letztlich die Genehmigung
–, um einen Bus für die Brigade Feuerstein zu besorgen, der die
Mannschaft und die tonnenschwere Anlage sicher zum Spielort brachte.
Wir wurden damit in den 80ern zur einzigen Amateurgruppe der DDR, die
über einen Bus verfügen durfte: Vorbei die elenden Zeiten der
hängerbestückten Wagenkolonnen aus dem Kfz.-Museum, wo regelmäßig
mindestens ein Auto kaputt ging und wir mit bis an die Ellenbogen
ölverschmierten Armen am Auftrittsort ankamen. Wie oft standen wir in
der Grube Deiner Garage, um die Bilanz zwischen Fahrzeiten und
Reparaturstillstand meiner jeweiligen Autos aufzubessern.
Es gab Situationen, da hätte unser Leben früh enden können.
1980, Autobahn bei Oranienburg, als die Antriebe Deines Trabis
blockierten und ich mit meinem russischen Moskwitsch nur Zentimeter an
dem aus der Spur und in Sekunden von Hundert auf Null geratenen
Fahrzeug vorbeischoss – oder als mich am Schönefelder Kreuz mein
Hinterrad überholte und der vom Optiker Böhm geborgte Pferde-Hänger
durch das Gewicht der Anlage Stabilität brachte, als schon alles
verloren schien ...
Du hast selten etwas geschrieben. „Enfant
perdu“ heißt ein Text aus der Mitte der 80er-Jahre, zu dem Du die
Vorlage geliefert hast. Auf solch verlorenem Posten hast Du Dich
manchmal gefühlt in Auseinandersetzungen mit Leuten, die die DDR für
den besten Staat der Welt hielten – oder für den schlechtesten.
Es war für mich nicht immer erkennbar, vor
allen in den Zeiten, als unser Kontakt gering war, was Dein Antrieb
war, Deine Motivation, zurückzufinden zu Deinem Grundbedürfnis – dem
Singen von Liedern. Ich denke, es war Menschenliebe im besten Sinne.
Resignation oder Zynismus wären andere Lösungen gewesen. Aber nicht
Deine. Und so hast Du weitergeführt, was Du lange vor der „Brigade
Feuerstein“ begonnen hattest, quasi als Dienstältester der
Hoyerswerdaer Singeszene, der Hoywoy treu geblieben ist.
In der vorletzten Nacht, die Dir vergönnt
war, hast Du plötzlich angefangen zu singen. Mit den verbliebenen,
zusehends schwindenden Kräften. Die Lieder, die Dir so wichtig waren.
Vielleicht „Balkon der Nächte“, „Schwarze Galeere“ und „Keine Zeit
mehr“ ... Dann sagtest Du: „So, das war’s“. Am nächsten Morgen bist Du
gegangen. Bernd, das war’s nicht! Der Feuerstein glimmt weiter.
Einer Deiner Freunde sagte mir am Telefon:
„Gundi holt sich wohl seine Truppe wieder zusammen.“ Nein, das tut er
nicht. Der Tod holt sich nicht unsere Besten. Er ist interessen- und
wahllos. Er belohnt nicht und er bestraft nicht. Er nimmt, was er
kriegt. Dass es die Besten zu sein scheinen, liegt daran, dass wir
einige von ihnen kannten. Mach’s gut, Bernd!
Unser Autor Alfons Förster ist Mitglied der Brigade Feuerstein
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