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Meinungen zum Film "Gundermann" (Gundermann)

verfasst von Fritzchen(R) E-Mail, Zittau, 28.08.2018, 09:22

Hallo in die Runde,
nachfolgend ein kleiner Rückblick auf den soeben erschienen Gundermann-Film. Ich bin sehr neugierig, wie ihr darüber denkt, so ihr ihn gesehen habt und ich freue mich über eine Rückmeldung.
21.8.2018, Dresden – Premiere am Elbufer. Die Vorfreude auf den Film war schon ziemlich groß. Und sie konnte auch nur kurzfristig etwas „auf die Probe gestellt“ werden durch den Live-Gesang von Prahl, Scheer und Dresen. Doch dann war es soweit, der Film startete. „Gundermann“. Dieser „schrill-harte“ Name begegnete mir das erste Mal im Jahr 1998 – als Gundi starb. Erst da wurde ich durch Freunde auf ihn aufmerksam und nachdem ich das Cover der „Einsame Spitze CD“ verdaut hatte (ich fand es gruslig), gefiel mir schon recht bald die Musik. Kurz darauf hielt ich die Krams CD in den Händen – spätestens da schloss ich diesen „Liedermacher“ in mein Herz. Diese konkrete, klare Poesie – hier versteckt sich keiner hinter Phrasen und Metaphern, hier singt einer gerade aus dich an. Genial. Stück für Stück entdeckte ich seine Biografie, auch all die Widersprüche. Hin und wieder knallte mir einer an den Kopf „dieses Stasi-Schwein, den hörst du? Diese rote Socke?“ Doch viel mehr Stimmen waren ebenso von ihm angetan – dann die Entdeckung. Gundermann live zu erleben. Zumindest fast. Bernd Nitzsche, ehem. Wegbegleiter Gundis und die Auftritte der Randgruppencombo trafen mich tief und faszinierten. Bücher, CDs etc. wurden angeschafft, sogar einen Zittauer Bürgerchor gründeten wir, lernten Gundis Wegbegleiter kennen… spannende Begegnungen.
Dann das erste Filmstil – Alexander Scheer als Gundermann – Moment mal, der sieht ja aus wie Gundi – man war das unwirklich, fast schon beängstigend. Die Spannung stieg. – Ich möchte den Film jetzt nicht Stück für Stück wiedergeben. Viel eher ein Gefühl danach. Ich war enttäuscht. – Nicht von der schauspielerischen Leistung – nein diese war und ist sehr gut, auch und v.a. das Filmsetting passte sehr gut. Im Gegensatz zu anderen Filmen, welche in der Ehemaligen spielen, kommt „Gundermann“ in Sachen Kulissen, Atmosphäre angenehm entspannt und unaufdringlich daher. Nein, meine Enttäuschung war viel mehr der Hauptplot der Geschichte. Gundermann und die Staatssicherheit – gefühlt 80% des Filmes wird darüber sinniert und auf dem Grund gegangen. Mir war das einfach zu viel, zu groß. Viel eher war ich doch interessiert ein wenig von dem Menschen Gundermann kennenzulernen. Vom Menschen der zwei Arbeitsleben lebt, der 3 Stunden schläft, nebenbei große Texte und Musik „erfand“, vom streitbaren Geist, der mitunter giftig, eklig wirken konnten und gleichzeitig naiv und ehrlich. Ich wollte den Menschen Gundermann etwas hinter die Maske schauen. Natürlich ist mir bewusst, dass Film keine Abbildung der Realität ist. Doch ich wünschte mir, dass der Film mir zumindest ein paar Hinweise auf den Menschen Gundi geben könnte. Wie kann dieser krasse Typ so ein Leben leben? Auch der totale Bruch – der Beginn der Tischlerlehre, die oftmalige Konflikt mit seiner Seilschaft, die enge Bindung zum Publikum, die Wichtigkeit seiner Texte in den Anfang 90er-Jahren – nichts kam vor.
Vielleicht hätte ich es ahnen müssen. Im Vorfeld des Filmes betonte Andreas Dresen sehr oft, dass er mit dem Film „Das Leben der Anderen“ nicht glücklich war, er wollte eine andere Perspektive erzählen. Und so entstand ein Stasi-Drama, ein sehr gutes – eines am „Beispiel“ eines Musikers und Arbeiters. Nicht mehr und nicht weniger. 120 Filmminuten vergingen. Was blieb war diese Erkenntnis.
Vielleicht bin auch ich etwas naiv. Selbst Jahrgang 1980 fehlen mir einige Erfahrungsjahre DDR – im Gegensatz zu den Filmemachern und Großteil der Gundi-Fans. Vielleicht „musste“ das Thema Staatssicherheit am „Beispiel Gundermann“ bearbeitet werden. In einigen Rezensionen wird gejubelt „so haben sie die DDR noch nie gesehen“* – genau das ist mein „Problem“ – ich wollte Gundi sehen. Es heißt weiterhin „Endlich wird Gundermanns Musik auch im Westen populär.“ Gundermann sagte einst in einem Interview – sicherlich kennt ihr es - „wir sind eine Randgruppencombo, und wenn wir keine mehr sind, dann müssen wir überlegen was wir falsch gemacht haben.“ Ich bin mir nicht sicher ob Gundi eine solche Marketing-Kampagne wie sie jetzt läuft mit gemacht hätte, womöglich noch mit Filmemachern auf der Bühne singend. Und ich bin mir bewusst, dass ich ein wenig polemisiere, doch ich merke, diese Themen und der Film bewegen mich und machen mich etwas ratlos. Ich freue mich über Rückmeldungen, eure Sichtweisen – vielleicht komme ich mit Eurer Hilfe „meinen Gundi“ auf die Schliche.
Und wer den Film noch nicht geschaut hat, der solle es tun – es lohnt sich, auch um „mitreden“ zu können. – viele Grüße, Patrick (aka Fritzchen)

* Nachtrag – wer die DDR „sehen und verstehen möchte“ – der solle sich den Film „Die Architekten“ anschauen (Regie: Peter Kahane, 1990)

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alle wissen wos langgeht,
aber keiner weiß warum,
alle wissen wos langgeht,
dumdumm.

 

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