Hartmut Helms schreibt unter "Rockmusik - ein Lebensgefühl" richtig viele Konzertberichte und -kritiken, jetzt auch wieder ganz aktuell über die Randgruppencombo.
RANDGRUPPENCOMBO spielt GUNDERMANN (ohne Heiner) live in Dresden
(„Musik ist ein Bohrer. Du kannst damit Löcher machen in menschliche Herzen. Wo ’n Loch ist, kann was rein. Oder raus.“)
Im kalten Dezember 2007 lockten Freunde mich nach Berlin. Im FritzClub würde eine West-Combo Gundermann-Lieder ganz neu spielen. West-Kapelle und Gundermann? Das könne nur eine Falschmeldung sein, wären meine Freunde nicht über alle Maßen enthusiastisch beim Erzählen. Also kaufte ich zwei Karten, wir fuhren dorthin und später nachts begeistert wieder zurück. Seither sah ich die Randgruppencombo fünf Mal mit Heiner Kondschtak sowie ein weiteres Mal Heiner solo zu dritt. Nun fahre ich noch einmal zu der „West-Combo“, um sie (vielleicht) ein allerletztes Mal live zu erleben und damit sie mir noch einmal ganz tief in mein Herz und Seele singen möge. Das kann ich gerade dringendst gebrauchen.
Der Saal im Alten Schlachthof ist knackevoll, als die Bühne, in blaues Licht getaucht, das bekannte „hüpfende“ Intro von „Gras“ ins Auditorium schleudert. Zum Jubelschrei aus hunderten Kehlen betritt die Combo aus Tübingen die Bühne. Was für ein irre schönes Gefühl, diese Truppe endlich wieder zu sehen und dann singen die auch noch „Es kommt der Tag (da brechen in die müden Städte wilde Wasser ein)“. Das hat, in längst vergangenen Tagen getextet, fast schon etwas von prophetischer Weitsicht, wenn man sich das aktuelle Geschehen ansieht! Während ich noch still grinse, erklingt da vorn schon „Mein Herzblatt (was bist du so traurig)“. In nur fünf Minuten und zwei Liedern fühle ich mich in eine andere, emotionalere Welt versetzt, spüre den Kloß in meinem Hals, während es draußen Herbst und kühler wird.
Es geht jetzt Schlag auf Schlag, mit bekannten Melodien und lyrischen Worten, weiter: „Und musst Du weinen“, „Linda“, gesungen von Tini, und „Brunhilde“. Bei letzterem habe ich sofort die Bilder in der Columbia-Halle, mit Toni Mahoni auf ’nem Hocker sitzend, vor Augen. Ein Schauer wuselt mir den Rücken hinab. Das war im Juni vor 18(!) Jahren und meine zweite Begegnung mit der Randgruppencombo beim Gundermann-Tribut.
Da vorn steht sie wieder, die singende und musizierende Gemeinschaft von Theaterleuten – ohne Heiner Kondschak. Es ist alles gut, nur einer fehlt eben. |