Warten auf Kondschak -Theaterabend in der Tonne Reutlingen 2 (Musik)
Die Tonne-Schauspielerin Chrysi Taoussanis erscheint im Tierkostüm, mit einer riesigen Trommel, die nicht durch die Tür passt. Ist ja schließlich ein Benefizkonzert für ein Straßenkatzenprojekt in Bulgarien. Auch typisch Heiner, Benefizkonzert, außerdem liebte er Katzen, vor allem seinen Kater Zorbas. Chrysi fragt entnervt und völlig verschwitzt, wieso Heiner denn geschrieben habe, sie sollten heute in ihren Tierkostümen erscheinen? Wir schmunzeln alle und fragen uns, ob wir das Heiner wirklich zutrauen würden, sein Ensemble so an der Nase herumzuführen, ja, würden wir, doch. Die anderen Musiker kommen ohne Tierkostüm, sie haben wohl keiner derartige Mail von Heiner bekommen. Doch der ist immer noch nicht da, vermutlich mal wieder in eine Drogenkontrolle geraten, weil er bei Polizisten mit seiner unkonventionellen Erscheinung notorisch Misstrauen weckt, auch auf der Autobahn, von und zu nach den Spielorten seiner Theaterstücke, Heidelberg, Karlsruhe, München, Münster, Darmstadt, Ingolstadt, die Story kennt man als Heiner-Fan auch. Dass er den Polizisten dann sagt, dass er seit 1976 keinen Joint mehr geraucht habe, da müsse der Wirkstoff doch jetzt wohl so langsam draußen sein, erhöht vermutlich nicht seine Beliebtheit bei ihnen. Und natürlich fragt man sich irgendwann mit einem vielgeliebten Heiner-Zitat: „Können wir dann endlich anfangen, sonst kommt mein T-Shirt aus der Mode?“ Ach ja, und nachdem alle Musiker da sind, heißt es natürlich „Treffpunkt Fermate“. David Liske, Chrysi Taoussanis, Thomas B. Hoffmann, Magdalena Flade, Michael Schneider, Joachim Gröschel und Constanin Gerhards sind jedenfalls schon mal auf dem Weg dahin.
Und dann gibt es eine wunderbare Reise durch Heiners Musik und Gedichte. Die Schauspieler schlagen selbst vor, was sie singen – denn Heiners Plan liegt ja nicht vor. Es erklingt das Lied vom Kater Zorbas, Max der Tausendfüßler ist dabei, und auch ein Lied aus dem Schätzchen der Piratin, regional und überregional zigmal aufgeführt, und dann dürfen natürlich die „Fürchterlichen Fünf“ nicht fehlen. (Für die Süchtigen: Manches gibt es immer noch auf CD, so ein verdammtes Glück, manches lässt sich bei youtube aufspüren). Und „Das Lied vom Leben“, eines seiner schönsten Lieder, das auch auf seiner Beerdigung erklang, ist zu hören. Dann stellt sich ganz konkret heraus, dass Heiner im Stau steht. Mit seinem Kommen ist so schnell nicht zu rechnen, ein Traktor ist umgekippt, das klingt verdächtig nach Vollsperrung. Die Truppe muß erstmal ohne ihn proben.
Und so lassen die Schauspieler Werke von Heiners musikalischen Idolen erklingen, Rio Reisers „Der Traum ist aus“ ,das die Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin zum Kochen brachte, mit der Textzeile „dieses Land ist es nicht...“, Bob Dylans „Times they are a changin“, Gundermanns „weisstunoch“, „Einmal“, „Gras“ und Brels „Amsterdam“. Es wird über Victor Jara gesungen (seine Lieder sind unsere geworden). Und es ist auch ein Lied zu hören, das Heiner nicht mehr kennenlernen durfte, aber ganz sicher gemocht hätte: Springsteens „Streets of Minneapolis“. Ein berühmter Pop-Medley aus Heiners Feder, auch dieser in der Region sehr vertraut, wird gespielt, denn „Niveau ist keine Hautcreme“. Und auf Tempo wird gedrängt, denn schließlich: „ich habe noch Wäsche in der Maschine“.
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- Warten auf Kondschak -Theaterabend in der Tonne Reutlingen 2 - Christine
, 01.04.2026, 07:38 (Musik)
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