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Nach- und Vordenken (Gundermann)

verfasst von wmeyer(R), 24.04.2021, 03:02

(Fortsetzung)

Klar läuft administrativ einiges schlecht oder gar nicht. Die Gründe sind vielfältig, manche entschuldbar, manche nicht. Aber die Ansteckungen, die machen in der großen Mehrzahl wir, die Bevölkerung. Vielleicht wiederhole ich mich, aber meine betagte Mutter sagte gelegentlich, wenn in ihrer Kaffeerunde über irgendwelche politischen Dinge gewettert wurde: „Die sollten _uns_ mal machen lassen.“ Ich bin gewiß, manche(r) wäre arg erschrocken, stünde diese Forderung plötzlich vor ihr/ihm.

Mir fällt dazu der Fußball ein: Der Trainer hat seiner Mannschaft gesagt, wie sie die Gegenspieler überlisten und die Tore schießen könnten. Aber sie machen‘s nicht, versuchen es bestenfalls halbherzig. Das Ergebnis ist entsprechend. Unfähigkeit? Unwillen? Trotz? An wem liegt es? Wer ist schuld?

Du erwähnst das KZ Buchenwald, gehst mir dann aber zu schnell drüber weg. Die dort und an vielen anderen Orten geschehene millionenfache Menschenverachtung sollte uns erschüttet haben. Tat es vermutlich auch. Aber es ist inzwischen wohl zu lange her, die Nachgeborenen haben anscheinend kaum noch einen Bezug dazu. Und können sich nicht wirklich vorstellen, wohin Nationalismus führen kann. Und: Demokratie kann demokratisch abgeschafft werden. Doch dann?

Du deutest an, daß Leute markiert werden könnten - ich kann nur spekulieren, was Du meinst. Z. B. „geimpft“/“nicht geimpft“. Da glaube ich nicht, daß dies ursächlich von der Regierung kommt, was wäre die Logik? Ich denke, es sind eben (tatsächlich oder potentiell) Geimpfte, die ihr “altes Leben“ zurück, und „Wirtschaftende“, die dringend wieder Einnahmen erzielen möchten

Und andere „Einsortierungen“? Wer hat begonnen, Stempel zu verteilen? Was macht es mit der Gesellschaft, wenn „Volksverräter“-Rufe erschallen? Auf welcher Seite der Barrikade sind Leute rumgelaufen, die symbolische Galgen für Regierungsvertreter mitbrachten und herumzeigten?

Wenn Du Gundis „Friedens"-Lied zitierst, dann beachte bitte seine Bedingung, die er an die Gegenseite stellt: den dringenden Wunsch nach Besserung der _Welt_. Nicht nur der _eigenen_Situation_. Ich erinnere auch - allerdings undeutlich - eine Passage eines seiner Programme, in der Gundi sich drastische Gedanken darüber macht, wie er herausbekommen könnte, was sich hinter der Schädeldecke eines ihn bedrohenden Schlägers verbirgt.

Das von Dir erwähnte dicke Buch, das ich in (geringen) Teilen kenne, erzählt von guten, von wundersamen Geschichten, aber auch von der ganzen Niedertracht, zu der Menschen fähig sind. So hörte ich jedenfalls. Und weil Du vom Unkraut sprichst: Gärtnern macht mir große Freude. In meinem Garten gibt es selbstverständlich Unkraut. Nicht überall, aber mehr als ausreichend. Es gibt dort aber auch Lebewesen, die verleiben sich (überspitzt gesagt) _alles_ ein - Salat, Tomaten- und Kürbispflanzen, Erdbeeren, Bohnen, Zwiebeln, Sellerie, sogar Kartoffelkraut. Die kann ich dort nicht dulden, wenn ich etwas ernten möchte. Sie „können nicht dafür“, doch ich muß mich ihrer erwehren.

Was den anderen Thread betrifft: Ich finde, es ziemt sich nicht für ein Forum, welches sich Gerhard Gundermann verpflichtet fühlt, als Link-Vorstufe zu rechtsorientierten Inhalten zu dienen.

Zu Erfurt kann ich Dir nichts sagen, zu Sandow ebenfalls nicht. Und „Robin Hood“ kenne ich wohl auch nur als Ausschnitte einer Fernsehserie.

Falls Du Futter für die Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage möchtest: Ich empfehle sehr die Dokureihe „Charité intensiv: Station 43“ beim rbb. Am vergangenen Mittwoch nach der Folge 2 konnte man später dann bei „Markus Lanz“ im ZDF noch die Intensivmedizinerin Caterina Reuchsel aus Gera sehen und hören. Es ist dasselbe Alarmsignal. Und, weil sich ja gerade auch Künstler in Kritiküben üben, hier der Verweis auf den Text vom Hamburger Liedermacher Wolfgang Müller, der dort unter der Überschrift „Profit über alles“ durchaus reflektiert herangeht. Nicht jeder Satz mag einer Tiefenprüfung standhalten, aber den Kern trage ich auf jeden Fall mit.

So, nun wirklich lang genug.

Gute Nacht
und herzliche Grüße
Wolfgang

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So eigensinnig widersprechend ist der Mensch: zu seinem Vorteil will er keine Nötigung, zu seinem Schaden leidet er jeden Zwang. (Johann Wolfgang von Goethe)

In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
(Robert Green Ingersoll)

 

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