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Eindrücke vom Wochenende in Hoywoy (allgemein)

verfasst von Christine(R), 26.06.2018, 16:26

Ein Text, der auf Facebook sehr viel Beachtung findet, ist von Grit Maroske

Frühstück für immer

Zum 20. Todestag von Gerhard Gundermann

Wie kann ich eine Woche emotionalen Overload in ein paar Sätze packen? Wie kann ich euch, die ihr nicht in Hoyerswerda dabei gewesen seid, nur einen Bruchteil von dem nahebringen, was wir hier erlebten? Mein Herz läuft über und in meinem Kopf tanzt ein buntes Kaleidoskop von Eindrücken.

Am besten, ich fange am Ende an. Der Sonntag nach der Brigadefeier zu Ehren Gerhard „Gundi“ Gundermanns Leben und Wirken ist der Abgesang einer vollgepackten Woche. Nach Symposium, Filmvorführung,Workshop europäischer Liedermacher, Texten, Proben, Generalproben, Enthüllung einer Gedenktafel am Ossi, Einweihung der Schaltzentrale, Aufführung von „Gundermanns Lieder(n) in Europa“, einem furiosen gemeinsamen Konzert von Gundis Liedgefährten, dem Bürgerchor, den „Jungen Wilden“ und einer durchsungenen Nacht im „Cafe Auszeit“ finden sich nach und nach alle ein, die noch nicht abgereist sind.

Wir sitzen an einer langen Tafel im Seminarraum der KUFA und teilen Brot und gekochte Eier, Schinken und Marmelade, Erlebnisse und Gespräche. Normalerweise sind wir, die wir am Sonnatg nach so einem Gundermann-Wochenende zusammenkommen, vielleicht so 10 Leute – übermüdet, aber glücklich und „härter als der Rest“. Dieses Mal reichen die Stühle nicht aus, die Brötchen werden knapp und auch alle die, die in Hotels und Pensionen geschlafen haben, trudeln einzeln oder in kleinen Gruppen ein, um ein letztes Mal diese ganz besondere Stimmung einzufangen und ein Teil davon zu sein.


Die Kaffeemaschine fährt ihre dritte Schicht, und es ist immer noch nicht genug. Wir können uns nicht trennen, wir wollen nicht aufstehen und nach Gottweißwohin fahren, in unseren Alltag, unser anderes Leben zurückkehren, ohne noch einmal in unseren gemeinsamen Erlebnissen zu schwelgen, ohne noch einmal unsere Gedanken auszutauschen, ohne uns noch ein bisschen besser kennenzulernen. Wir wollten doch noch Adressen austauschen, CDs übergeben, eine rauchen, nur noch ein Lied gemeinsam singen, uns etwas vorlesen und diesen Moment hier festhalten. Wenn es doch möglich wäre, hier und für immer zu sitzen und zu frühstücken.

Es regnet. Eigentlich regnet es schon das ganze Wochenende mehr oder weniger durch. Gundi mochte den Regen, wir brauchten ihn, denn hier war alles staubig und trocken und heiß vor diesem Wochenende. Das Gras, Anfang der Woche noch dürr und grau, wuchs nun wieder hoch und grün. Wir stehen immer wieder in Trauben draußen, trotz des Regens, wir rauchen, wir reden, und manchmal stehen wir nur da und halten das Gesicht in den Himmel und lassen unsere Tränen vom Regen tarnen.

Am Samstag waren wir Gundi in Kühnicht besuchen. Aus dem Nieselregen, der uns bis vor den Friedhof begleitete, wurde ein Wolkenbruch, als wir am Grab standen. Irgendwie hatten die Besucher, die vor uns herkamen, den gleichen Gedanken wie wir gehabt. Auf den Gräbern von Gundi und Bernd drängten sich die Sonnenblumen, wiegten sich im Regen und strahlten in kräftigem Gelb. Der Regen wurde von Sekunde zu Sekunde stärker, als würde da oben einer mit uns weinen. Als wir dann am Parkplatz wieder in die Autos einstiegen, hörte er schlagartig auf und die Sonne kam heraus. Ich will das gar nicht werten, ich will das gar nicht interpretieren, aber das war einer dieser Momente, von denen wir am Wochenende hunderte hatten und die sich im Nachhinein, vielleicht kitschgig oder unglaubwürdig anhören und die doch genau so geschehen sind. Ein anderes Beispiel war der Moment, als die Liedermacher in Senftenberg probten und eine schwarze Katze erschien, sich auf das Fensterbrett setzte und andächtig lauschte. Oder der Moment, als Gundis Tochter Linda mit seinem Hut auf dem Kopf auf die Bühne trat, und alles eins wurde: Zukunft, Vergangenheit, Trauer und Hoffnung. Als ich dachte: Wenn das hier möglich ist, dann wird vielleicht doch noch alles gut. Da steht die nächste Generation, mit Leidenschaft, mit Mut, und macht weiter. Wie soll man da nicht Herzklopfen bekommen. Wie kann man da nicht daran glauben, was Gundi immer glaubte: dass dieses irdische Leben nur eine Form der Existenz ist.

 

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