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Christine(R)

25.08.2022, 13:19
 

Eine kleine leise Traurigkeit (Gundermann)

Der Auftakt zur Abschiedstournee der Randgruppencombo war am 12.8.22 in Tübingen – das bedeutet: Heiner Kondschak und Co zogen mitten in den großen Sommerferien ganz spontan 800 Zuhörer an. Trotz allgemeinen Urlaubsreisen strömte es nur so ins Openair-Kino-Areal in der Brunnengasse. Ein Foto von Gundermann wurde in der Dunkelheit riesig an die Häuserwand projiziert. Es ist auch der erste Auftritt der Randgruppencombo seit 2019 in überwiegend vertrauter Besetzung. Und genau 22 Jahre sind es her seit dem allerersten Auftritt der Band überhaupt, damals in Pfäffingen, dort hätten die 800 jetzt nun wirklich nicht ausreichend Platz gefunden.

Auch der Tagblatt-Kritiker in Pfäffingen war damals völlig begeistert, wie sich am entsprechenden Artikel unschwer ablesen lässt. 22 Jahre danach wurde die Band jetzt am 12.8. in der Brunnengasse in Tübingen mit riesigem Applaus begrüßt und mit viel Liebe und Blumen verabschiedet. Immerhin gab es die Nachricht, dass für den 22. und 23.12.22 die letzten Konzerte der RGC in Tübingen verabredet wurden; was dieses Jahr pandemiebedingt daraus wird, steht noch in den Sternen. Vielleicht ist dieses Konzert nicht das letzte in Tübingen, vielleicht haben wir noch zwei…

Das Tübinger Publikum tanzt fast gar nicht, singt meist nur ganz leise flüsternd mit, aber hört der Combo dafür innig zu. Mitten unter den Zuhörern ist schon vor Konzertbeginn nicht zu überhören, wie sehr Gundermann die Tübinger erobert hat. Da heißt die Tochter „Linda“, inzwischen erwachsen, man tauscht sich aus, wo und wann man die Randgruppencombo erstmalig gehört hat, ist man Spätzünder oder ein Fan der ersten Stunde? Ein Journalist, der damals für den SWR die erste Tournee begleitete, trägt dank seiner Frau das T-Shirt von damals mit sämtlichen Tournee-Orten darauf, ein begehrtes Fotoobjekt. Sehr heftig berührt mich ein Gespräch mit jemandem vom Landestheater Tübingen. Ich weiß ja, dass Heiner Kondschak aus Finanznot damals alle rekrutiert hat, die ein Instrument halten konnten (wenn Heiner das im Konzert erzählt, lässt Rupert Hauser dann gerne manchmal eines fallen…), ich weiß ja, dass Verwaltungsdirektor und Sekretärin gemeinsam musizierten, das gefällt mir ja auch so sehr daran. Aber ich spüre hier erstmalig wirklich, wie sehr das Projekt doch auch innerhalb des LTT geschätzt wurde, als etwas ganz Besonderes, nicht allein nur wegen Gundermanns Poesie: die Hierarchien waren dabei aufgehoben, eigentlich sollte Theater doch so sein, so würde man sich das wünschen, als hätte Heiner Kondschak ein wenig gezaubert und die Schranken in einer öffentlichen Institution mit seiner Band durcheinander gewirbelt, aufgehoben, zumindest für dieses eine Projekt… für mich ein ganz wunderbarer Moment.


Hunderte von Kilometern entfernt ein paar Tage später beim letzten Konzert in Leipzig weint der Himmel, vielleicht hat Gundi da doch seine Finger im Spiel? Links neben der Bühne gibt es einen Monitor, auf dem eine sehr alte Aufnahme von 1994 gezeigt wird, Gundi mit seiner Seilschaft auf der Parkbühne, die Aufnahme fand man in einer alten Kiste, wunderbar, er ist also dabei, dann ebenso wunderbar die Fotoshow der Geigerin Tini Stiefelmayer mit Fotos der RGC aus den 22 Jahren Bandgeschichte. Pünktlich zu Konzertbeginn hört der Regen auf. Und es wird getanzt, mitgesungen, erneut nach jedem Stück begeisterter Applaus, ein riesiger Openair Chor begleitet die Randgruppencombo auf der Parkbühne vom Geyserhaus e.V. Was ein Publikum! Die Band nimmt das auch hier nicht als selbstverständlich, und die Wertschätzung freut wiederum das Publikum. Vieles sind vertraute Rituale, die Arrangements, die Zwischentexte des Bandhäuptlings, dessen Offen- und Direktheit, er wird geliebt, seine kleinen Witze, vielleicht hört man die heute zum allerletzten Mal in der Konstellation in Ostdeutschland, wer weiß schon, wie es mit Corona im Herbst weitergehen wird. Es ist definitiv das letzte Konzert des Gründungsmitglieds Rupert Hauser, und er erhält wie auch schon in Tübingen minutenlangen tosenden Applaus, der Abschied geht dem Publikum, ihm selbst und den Bandmitgliedern spürbar gehörig nahe. „Eine kleine leise Traurigkeit“ ist sein Lied, wer wird das in Zukunft singen?

Heiner, seine Randgruppencombo und sein ostdeutsches Publikum - das ist was ganz Besonderes, etwas Zauberhaftes, die Verbindung ist kein Personenkult, sondern die Liebe zu den einzigartig poetischen Liedern von Gerhard Gundermann und der Kontakt auf Augenhöhe. Man bekommt eine Idee, wie eine Wiedervereinigung gewesen sein könnte, wenn Künstler und Musiker da das Sagen gehabt hätten. „Das solls gewesen sein, gute Nacht“ - Heiner Kondschak verlässt die Bühne, sichtlich überwältigt und bewegt von der unglaublichen Wertschätzung des Publikums. Und die Band muss noch bis spät in die Nacht hinein CDs und Plakate signieren.

Weitere geplante Konzerte der Abschiedstournee: Erfurt 30.9., Tübingen 22. und 23.12., Berlin 28. und 29.12.22.

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