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GUNDERMANNFAN(R)

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21.04.2021, 19:00
 

Er ist wieder da (Gundermann)

Lieber Wolfgang,

ich versuche hierher auszuweichen, da eine direkte Antwort technisch nicht möglich ist, der Eintrag ist gesperrt.

Ich zitiere Wolfgang Meyer:

"Zurück zu Deinem Text. Es war bei Deinen früheren Einträgen manchmal etwas unklar, was Du den Leserinnen und Lesern jeweils sagen wolltest."

Stellungnahme Andreas Prange:

Ich habe Gerhard Gundermann nie kennengelernt, "Alle oder Keiner" war mein Erstkontakt mit seinem Werk, kurz nach der Jahrtausendwende. Für mich haben Gundis Texte drei Ebenen. Vieles erschließt sich mir recht schnell, für manches habe ich lange gebraucht, alles werde ich wahrscheinlich nie begreifen. Vielleicht war es seine Absicht. Oft ein schnelles Glück, schwer zu öffnende, harte Nüsse, manches ist versiegelt, wer sie öffnen darf, entscheidet ER. Ich erwähnte es schon einmal, ich glaube er war Prophet. Sein Werk ist für mich eine Bibelübersetzung für Atheisten.

Das habe ich mit meinen Forumseinträgen bisher auch versucht. Klare Gedanken und Raum für Interpretation. Wie der Samen sich entwickelt, hängt vom Humus des Empfängers ab. Wenn der Empfänger den Samen nicht will, ist es sein Recht ihn zu verwerfen, auch die Löschtaste ist menschlich.
Im dicken Buch wird allerdings etwas anderes empfohlen, auch das (vermeintliche) Unkraut soll man wachsen lassen. Mt.13,24-30

Ich zitiere Wolfgang Meyer:

Bei dem aktuellen habe ich da keine Zweifel. Und es betrübt mich, daß Du hier - unter dem Dach "Gundermann" - auf Texte verweist, die in einem rechtslastigen Umfeld ("Die Achse des Guten") gedeihen und verschwörungsmythisch aufgeladen sind.

Stellungnahme Andreas Prange:

Ich bin im Schatten vom Ettersberg groß geworden, dort befand sich das Konzentrationslager Buchenwald. Ich habe das Gefühl, dass in Deutschland wieder bunte Winkel verteilt werden. Laut der Bibel war der Brudermord der erste Mord der Geschichte. Die Antwort Gottes, der Mörder durfte weiterleben. Um dies zu gewährleisten, verhängte Gott ein unmissverständliches Stigmatisierungsverbot. Gerhard Gundermann hat das nicht nur begriffen, er hat es auch klar und deutlich formuliert:

Ich mache meinen frieden mit all den idioten
Die die weit behüten wolin mit ihren linken pfoten
Mit jedem samurai mit jedem kamikaze
Mit jedem grünen landei und auch mit jeder glatze
Die die weit nicht bessern können aber möchten
Mit viel zu kurzen messern in viel zu langen nächten


Persönliche Meinungsäußerung Andreas Prange:

Ich möchte hier unmissverständlich erklären wovor ich große Angst habe:
Vor Diktaturen, egal welche Farbe sie haben.

"Die Kugel im Lauf ist grün."

Eine Öko- und Meinungsdiktatur halte ich im Moment für die größte Gefahr. Wer andere Ängste hat, sollte das auch sagen (dürfen).
Wenn die Folge dieser Meinungsäußerung die Löschtaste ist, zeigt das nur, dass der gesellschaftliche Riss auch durch dieses Forum geht.

Im Jahr 2015 sind die verlorenen Schafe freiwillig vor den Stall gekommen,
sie wollten dort demonstrieren. Die Reaktion des Oberhirten? Er befahl vor dem Erfurter Dom das Licht auszumachen. Das war Arbeitsverweigerung. Liebe deine Feinde! Es waren Menschen, die wahrgenommen werden wollten. Der Hirte hätte vielleicht nicht alle heilen können. Er hat es nicht einmal bei einem Einzigen versucht. Auf Gewalt wird Gewalt geantwortet, was für ein Scheißspiel.

Noch liegt der Pfeil an der Sehne
Noch ist der Bogen gespannt
Noch hat Robin den Sheriff nicht erkannt
Noch fällt bleierner Hagel
Auf durstiges Land
Noch geht der eiserne Nagel
Durch Christus Hand



Lieber Wolfgang,

die Frage: Wer ist der Sheriff? hat mich 10 Jahre beschäftigt. Die für mich passende Antwort hat mir ein Lied der Band "Sandow" geliefert.


Liebe Grüße
Andreas Prange

wmeyer(R)

24.04.2021, 02:49

@ GUNDERMANNFAN

Nach- und Vordenken

Lieber Andreas,

danke für Deine Antwort.

Ich will versuchen, Dir _meine_ Sicht auf die Dinge nahezubringen. Es wird Stückwerk werden und auch Stückwerk bleiben, denn so ein Schriftverkehr ist ungleich zeitaufwendiger gegenüber einem direkten Gespräch.

Du sagst, Gundi sei für Dich ein Prophet. Nun, dann ist es so - damit mußt Du selbst zurecht kommen. Für mich ist Gundi (unter anderem) jemand, der versucht hat, Dinge zu Ende zu denken: Was hat welche Folgen? Ist ihm nicht immer geglückt, wie ich meine. Doch wer schafft das schon? Wer ist auch immer ehrlich genug zu sich selbst?

Apropos Ehrlichkeit - da kommen wir gleich auf den aktuellen Knackpunkt, die Covid-19-Pandemie.

Du erinnerst Dich an das Ende des vergangenen Jahres? Als auch die Letzten bemerkten, daß die stotternden Herbstmanöver uns nie und nimmer ein entspanntes, sondern eher ein dramatisches Weihnachten beschehren würden, sprachen alle davon, daß man _doch_schon_im_Oktober_ hätte energisch(er) handeln sollen (und nicht erst im November, zudem immer noch halbherzig).

Jetzt, im Frühjahr, wieder dasselbe: Die Hütten brennen überall, aber jedes Bundesland, gern auch jede Stadt, probiert etwas Eigenes. Wenn dann die Rauchwolken dicker und dicker werden, nicht mehr zu übersehen, hört man einen Moment auf, sich in die eigene Tasche zu flunkern. Man könnte glauben, der Ernst der Lage wäre erkannt, es wird sogar regelkonform im großen Kreis besprochen und beschlossen.

Aber keine Sorge - da findet jemand auch gleich einen ganz wichtigen Grund, die völlig unzumutbaren Zumutungen mit dem Verfassungsgericht zu stoppen. Daß der Feuerwehr bald die Schläuche ausgehen, die Brunnen versiegen - von den Leuten gar nicht zu reden - ja, das muß man dann schon in Kauf nehmen. Oh Mann (oder Frau) ...

Wenn es uns schlecht geht und eine Ärztin zu uns sagt: „Legen Sie sich mal ins Bett und kurieren das aus.“ Was machen wir da üblicherweise: Rufen wir „Freiheitsberaubung!“ und hängen ein Transparent ans Fenster? Oder sind wir froh und hoffnungsvoll, daß die Krankheit erkannt und „reparabel“ ist? Und halten uns, wenigstens bis wir wieder Aufwind spüren, an ihren guten Rat und nehmen auch die Medizin?

Vielleicht müssen wir warten, bis jeder jemanden kennt (bzw. kannte), den es dann durch die Pandemie nicht mehr gibt, oder die/der nur noch die Hälfte seiner selbst ist. Möglicherweise haben wir’s als Sippe dann vielleicht verstanden. Wahrscheinlicher scheint mir aber eher die Erfüllung der Liedzeile „Das war’s dann wohl.“

Es tönt immer: Wir müssen den Lockdown verhindern. Nein, müssen wir nicht. Wir müssen _Ansteckungen_ verhindern! Durch physische Distanz und andere Maßnahmen. Und wenn wir mal (wie gesagt, möglichst ehrlich) zurückblicken: Wer hat denn mit seinen jeweiligen Prognosen richtig(er) gelegen - die Stimmen aus der Gruppe mit Drosten, Lauterbach, Prieseman, auch Merkel, oder die anderen, die das immer jeweils für übertrieben hielten - von den Ignoranten ganz zu schweigen?

(Fortsetzung folgt)

---
So eigensinnig widersprechend ist der Mensch: zu seinem Vorteil will er keine Nötigung, zu seinem Schaden leidet er jeden Zwang. (Johann Wolfgang von Goethe)

In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
(Robert Green Ingersoll)

wmeyer(R)

24.04.2021, 03:02

@ wmeyer

Nach- und Vordenken

(Fortsetzung)

Klar läuft administrativ einiges schlecht oder gar nicht. Die Gründe sind vielfältig, manche entschuldbar, manche nicht. Aber die Ansteckungen, die machen in der großen Mehrzahl wir, die Bevölkerung. Vielleicht wiederhole ich mich, aber meine betagte Mutter sagte gelegentlich, wenn in ihrer Kaffeerunde über irgendwelche politischen Dinge gewettert wurde: „Die sollten _uns_ mal machen lassen.“ Ich bin gewiß, manche(r) wäre arg erschrocken, stünde diese Forderung plötzlich vor ihr/ihm.

Mir fällt dazu der Fußball ein: Der Trainer hat seiner Mannschaft gesagt, wie sie die Gegenspieler überlisten und die Tore schießen könnten. Aber sie machen‘s nicht, versuchen es bestenfalls halbherzig. Das Ergebnis ist entsprechend. Unfähigkeit? Unwillen? Trotz? An wem liegt es? Wer ist schuld?

Du erwähnst das KZ Buchenwald, gehst mir dann aber zu schnell drüber weg. Die dort und an vielen anderen Orten geschehene millionenfache Menschenverachtung sollte uns erschüttet haben. Tat es vermutlich auch. Aber es ist inzwischen wohl zu lange her, die Nachgeborenen haben anscheinend kaum noch einen Bezug dazu. Und können sich nicht wirklich vorstellen, wohin Nationalismus führen kann. Und: Demokratie kann demokratisch abgeschafft werden. Doch dann?

Du deutest an, daß Leute markiert werden könnten - ich kann nur spekulieren, was Du meinst. Z. B. „geimpft“/“nicht geimpft“. Da glaube ich nicht, daß dies ursächlich von der Regierung kommt, was wäre die Logik? Ich denke, es sind eben (tatsächlich oder potentiell) Geimpfte, die ihr “altes Leben“ zurück, und „Wirtschaftende“, die dringend wieder Einnahmen erzielen möchten

Und andere „Einsortierungen“? Wer hat begonnen, Stempel zu verteilen? Was macht es mit der Gesellschaft, wenn „Volksverräter“-Rufe erschallen? Auf welcher Seite der Barrikade sind Leute rumgelaufen, die symbolische Galgen für Regierungsvertreter mitbrachten und herumzeigten?

Wenn Du Gundis „Friedens"-Lied zitierst, dann beachte bitte seine Bedingung, die er an die Gegenseite stellt: den dringenden Wunsch nach Besserung der _Welt_. Nicht nur der _eigenen_Situation_. Ich erinnere auch - allerdings undeutlich - eine Passage eines seiner Programme, in der Gundi sich drastische Gedanken darüber macht, wie er herausbekommen könnte, was sich hinter der Schädeldecke eines ihn bedrohenden Schlägers verbirgt.

Das von Dir erwähnte dicke Buch, das ich in (geringen) Teilen kenne, erzählt von guten, von wundersamen Geschichten, aber auch von der ganzen Niedertracht, zu der Menschen fähig sind. So hörte ich jedenfalls. Und weil Du vom Unkraut sprichst: Gärtnern macht mir große Freude. In meinem Garten gibt es selbstverständlich Unkraut. Nicht überall, aber mehr als ausreichend. Es gibt dort aber auch Lebewesen, die verleiben sich (überspitzt gesagt) _alles_ ein - Salat, Tomaten- und Kürbispflanzen, Erdbeeren, Bohnen, Zwiebeln, Sellerie, sogar Kartoffelkraut. Die kann ich dort nicht dulden, wenn ich etwas ernten möchte. Sie „können nicht dafür“, doch ich muß mich ihrer erwehren.

Was den anderen Thread betrifft: Ich finde, es ziemt sich nicht für ein Forum, welches sich Gerhard Gundermann verpflichtet fühlt, als Link-Vorstufe zu rechtsorientierten Inhalten zu dienen.

Zu Erfurt kann ich Dir nichts sagen, zu Sandow ebenfalls nicht. Und „Robin Hood“ kenne ich wohl auch nur als Ausschnitte einer Fernsehserie.

Falls Du Futter für die Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage möchtest: Ich empfehle sehr die Dokureihe „Charité intensiv: Station 43“ beim rbb. Am vergangenen Mittwoch nach der Folge 2 konnte man später dann bei „Markus Lanz“ im ZDF noch die Intensivmedizinerin Caterina Reuchsel aus Gera sehen und hören. Es ist dasselbe Alarmsignal. Und, weil sich ja gerade auch Künstler in Kritiküben üben, hier der Verweis auf den Text vom Hamburger Liedermacher Wolfgang Müller, der dort unter der Überschrift „Profit über alles“ durchaus reflektiert herangeht. Nicht jeder Satz mag einer Tiefenprüfung standhalten, aber den Kern trage ich auf jeden Fall mit.

So, nun wirklich lang genug.

Gute Nacht
und herzliche Grüße
Wolfgang

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So eigensinnig widersprechend ist der Mensch: zu seinem Vorteil will er keine Nötigung, zu seinem Schaden leidet er jeden Zwang. (Johann Wolfgang von Goethe)

In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
(Robert Green Ingersoll)

GUNDERMANNFAN(R)

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24.04.2021, 12:43

@ wmeyer

Nach- und Vordenken

Lieber Wolfgang,

danke für deine Zeilen, du hast deine Worte mit Bedacht gewählt.
Inhalt und Umfang offenbaren eine Fleißarbeit.

Vielleicht wagen wir irgendwann den nächsten Schritt, den Griff zum Telefonhörer.
Wenn aus Toleranz Akzeptanz wird, dann kann aus Akzeptanz Frieden werden.


Liebe Grüße
Andreas

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