Hoywoy-Liederszene streift sich die „versteckten Stiefel“ über

von Uwe Proksch

Als Mitveranstalter des jährlichen Treffens kam von der KulturFabrik Hoyerswerda der Vorschlag, doch mal zu sehen, ob sich, sechs Jahre nach dem Tod von Gundi, weiterhin etwas in der Liederszene der Stadt bewegt. Und um es vorweg zu nehmen, es tut sich trotz Schrumpfungsprozessen, Überalterung und massiver Abwanderung immer noch was. Dazu gehört, dass mit der KulturFabrik ein Veranstaltungsort erhalten geblieben ist, der Nachwuchskünstlern und gestandenen Profis ein kontinuierliches Podium bietet. Dazu gehört das immer mehr an Bedeutung gewinnende jährliche Liedermachertreffen und dazu gehört ein Geist und eine Atmosphäre in dem Haus, die auch heute noch Leute anregen, sich mit Liedern und Texten zu beschäftigen.

Am Freitag kamen nun diejenigen Hoyerswerdaer zu Wort, die in Gundis Fußstapfen wandeln. Die Klammer für den Abend bildeten natürlich Gundermanns Lieder, wie immer wunderbar interpretiert von Bernd Nitzsche und seinen Freunden. Er erinnerte in seiner Einleitung an einen „wunderbaren Tag für alle“, als zum 20jährigen Bestehen der Feuersteine die Brigade noch einmal zusammenkam. Die da geschmiedeten Pläne machte der jähe Tod von Gundi schon eine Woche später zunichte.

Mit Adaptionen – „so wie es Gundi auch manchmal gemacht hat“ – steuerte Frank Oehl, Zeitungsredakteur und „Hoyschrecken-Besitzer“ seinen musikalischen Beitrag hinzu: brasilianische Musik mit einem verhaltenen heiteren Akzent in den deutschen Texten. Konstanze Niemz, den KuFa-Besuchern von Lesungen der freien Autorengruppe „Pegasus“ bekannt, bereicherte ihre sicher noch nicht fertigen Lieder mit einem Klangteppich eines relaxt jazzig spielenden Trios um Gerd Siegmeier. Mit gelegentlicher Unterstützung durch den Gitarristen Robert Schuster präsentierte sich „Alfalfa“ als weiteres Duo auf der Bühne. Dahinter verbargen sich KuFa-Mitglied Silvio Paul und Susi Hoffmann. Ihre atmosphärisch dichten Lieder bewegten sich auch um die vorherrschenden Themen des gesamten Abends: Wie gehen wir miteinander um? Welche Zeit nimmt man sich für den anderen? Wo findet man in einer scheinbar bloß funktionalen Welt seinen Platz?

Direkter und kompromissloser dagegen der Musiklehrer Matthias Höll und der Kufa-Mitarbeiter Jens „Scholle“ Scholze als Duo HöSch. Die „locker lose Spielgemeinschaft“ berichtete von der Tabulosigkeit der Gesellschaft. „Wir haben den Himmel zertrümmert“ und „der Tod lässt uns unbekümmert“. Dabei würde „das Schiff des Lebens“ von Leuten gesteuert, die eh keine Ahnung haben. „Alles nur Narren und Toren an Bord!“. Trotz der Absicht „laute Lieder leise zu singen“, war die eigentliche Berufung von Matthias, Sänger einer Rockband zu sein, nicht zu überhören.

Die Klammer schloss nach fast zwei Stunden wieder Bernd Nitzsche mit Uta Popp und Robert Schuster mit Gundi-Liedern. Nachdem sie „Hoywoy, dir bleib ich treu“ gesungen hatten, fasste Nitzsche den Abend zusammen: „Es gibt ein paar Leute in Hoyerswerda, die Lieder machen. Das kann wachsen – und das ist gut so!“

Last but not least: Den zweiten Teil des Abends bestritten dann Sneppedalen, eine Dresdner Band mit einer unüberhörbaren Affinität zu Element Of Crime. Trotzdem überzeugten die Preisträger des Tanz- und Folkfestes Rudolstadt mit ihren weltmusikalischen Wurzeln, poetischen Texten und einer sympathischen Ausstrahlung. Eine Entdeckung für die Besucher, die nach langer Anreise, unzähligen Gesprächen und vielen, vielen Liedern noch ausgehalten hatten.

Ein Abend, der dem Sinn des Treffens, das Erbe von Gundi zu präsentieren und engagiert zu begleiten, würdevoll entsprach.

letzte Änderung: 2008-12-17T13:27+0100