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50 Jahre Festival des politischen Liedes (Musik)

verfasst von Beate(R), 06.04.2020, 08:35

Teil III
Das Milieu einer linken
Veranstaltungskultur

Das Festival bestach unter den DDR-Großveranstaltungen auch durch seine organisatorische Andersartigkeit. Nach der
Arbeitsweise des Oktoberklubs trugen vor
allem ehrenamtliche Festivalgestalter, die
nicht selten Teile ihres Jahresurlaubs dafür
hergaben, ein hohes Maß an Verantwortung.
Programm-Macher, Künstler- und Tourneebetreuer, Räumer, Ticket- und Transport-Verantwortliche, Ideentüftler für die
volksfestartigen Polit- und Familien-Kirmessen, Redakteure der Festivalzeitung FZ
oder der ideensprühende grafische Gestalterstab um den „Oki“-Erfinder Peter Porsch
– sie und viele Ungenannte gaben dem Festival eine Handschrift, die als neuartig, erlebnisreich und kommunikativ empfunden
wurde. Zu diesem politischen BekenntnisEvent, das eben auch Spaß machte, war der
Andrang sehr groß. Die Karten haben wollten, mußten sich einen Tag vor Kassenöffnung am Klub- und Organisationszentrum
„Haus der jungen Talente“ anstellen. Also
lag vor ihnen eine kalte Februarnacht. Da
hatten die Veranstalter eine Idee: Nummer ziehen, reinkommen, singen und Tee trinken. Diese „Anstehnacht“ war bald ein
ebenso kultiges Event noch vor der Festivaleröffnung wie die öffentliche „Vorstellsinge“
von bereits angereisten Gruppen und Solisten im stets überfüllten Foyer des Palastes
der Republik. Mit der Zeit hatte eine solche linke Veranstaltungskultur ihr offenes,
ganz und gar nicht elitäres Milieu geschaffen. Junge Leute, die mit dem Sozialismus
etwas am Hut hatten, fühlten sich hier wohl.
Nicht ohne Grund hatten DDR-Journalisten
beweglicher Denkungsart seinerzeit danach
gefragt, ob der Singebewegung, mit ihrer
Tendenz zu eingreifendem Denken und
selbstbewußter Behauptung linker Ideale,
mit ihren Formen kreativer Planung und Organisation, die doch so viel Raum für persönliches Engagement und kommunikative
Bindungen einräumten, nicht etwas Modellartiges für eine demokratische, sozialistische Lebenskultur innewohnen würde. Eine
große Niederlage später liegt uns das Ja auf
diese Frage, die eigentlich eine Hoffnung
war, noch auf den Lippen.
Dr. Hartmut König
Panketal
Hartmut König, geboren 1947 in Berlin, war
Mitbegründer der ersten deutschsprachigen
DDR-Beatband „Team 4“ und des „Oktoberklubs“; Autor und Komponist zahlreicher Lieder („Sag mir, wo du stehst“; Songtexte für
den DEFA-Film „Heißer Sommer“); studierte
Journalistik in Leipzig, 1974 Promotion; ab
1976 Sekretär des Zentralrates der FD]; 1989
stellvertretender Kulturminister

Quelle: Rotfuchs, Ausgabe April 2020, Seite 31/32
http://www.rotfuchs.net/files/rotfu...sgaben-pdf/2020/RF-267-04-20.pdf

 

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