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Jeder hat seine eigene Sicht (Gesellschaft)

verfasst von Pfeffi(R), 02.10.2018, 22:49
(editiert von Pfeffi, 02.10.2018, 23:01)

Lieber Wolfgang,
ich gebe dir recht. Jeder Zeitzeuge sieht die DDR und die Zeit danach aus seiner individuellen Sicht.
Ich wollte mit meinen Zeilen vor allem auf die großen Ungerechtigkeiten nach der Wende hinweisen. Hier die einen, die Glück hatten und übernommen wurden, dort die anderen, die "abgewickelt" wurden und trotz aller Bemühungen keinen festen Job fanden. Bei mir war es so, dass ich allein 3 mal nach einer ABM nicht fest eingestellt wurde, weil irgendeine Mitarbeiterin den Antrag zu spät eingereicht hat oder andere Behördenschlamperei vorlag. Oder man sagte mir beim Bewerbungsgespräch: "Wir dürfen dich nicht einstellen, weil du nur einen DDR-Studienabschluss hast. Du musst einen Westabschluss haben" (tolle deutsche EINHEIT). Bei der "Mobilen Jugendarbeit" (befristetes Projekt gegen Extremismus) wurden wir wieder arbeitslos, weil wir zu gut gearbeitet hatten: Die einst radikalen Jugendlichen waren zahm geworden und die Gelder wurden daraufhin gestrichen. Fürs Gundi-Archiv gabs nur Ein-Euro-Jobs u.ä., d.h. nicht mal ein Drittel vom Lohn der Festangestellten bei annähernd gleicher Arbeitszeit und dazu gabs null Rentenpunkte. Und das 10 Jahre lang. In der DDR kannte ich solche bitteren Ungerechtigkeiten nicht. Da gab es annähernd gleiches Geld für gleiche Arbeit. Reich war kaum jemand und bettelarm auch niemand.
Den Song "Klassentreffen" habe ich deshalb empfohlen, weil wir vor kurzem ein Absolvententreffen in Meißen hatten, wo wir feststellten, dass die meisten von uns kein Glück nach der Wende hatten. In der Sächsischen Zeitung vom 7.10.2017 stand im Artikel "Von der Kunst des Überlebens", dass Künstler und Kulturschaffende in Deutschland von allen Berufen am absoluten Ende der Lohnstatistik stehen, meilenweit unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Da bin ich also nicht der einzige.

Und noch mal zu Wenzels "Klassentreffen": Das ist ja eine Satire, die wahrscheinlich nicht der Realität enspricht. Aber ich finde sie großartig, vor allem den stimmungsvollen Refrain "vielleicht wird uns dereinst verziehn, denn wir stammen ja aus dem Unrechtsregime". Ich schätze an Wenzel, dass er sich - genau wie Gundi - immer sehr für die Verlierer der deutschen Einheit engagiert hat.

 

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