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Vorsicht vor zu großer Vereinfachung (Gesellschaft)

verfasst von wmeyer(R), 02.10.2018, 00:50

Lieber Pfeffi,

ich kann Deinen Unmut recht gut nachvollziehen. Denke ich jedenfalls, denn wie es sich wirklich in Deiner Haut anfühlt, weißt nur Du. Wie Dir ging/geht es vielen, zu vielen - aber nicht allen. Sonst hätten wir nicht so viele große PKWs auf den Straßen und Flugzeuge in der Luft - mit Insassen aus den bekannten fünf Bundesländern.

Daß Filme meist nicht das wahre Leben darstellen, ist doch keine Überraschung. Dafür ist doch auch das wahre Leben zu verschieden. Mittendrin und erst recht im Rückblick.

Ob das Leben der Cowboys immer so ablief wie in den (gern gesehenen) Western? Haben die Filme "Ernst Thälmann – Sohn ..." bzw. "... Führer seiner Klasse" erzählt, wie es wirklich war? Was wissen wir Nachkriegskinder wirklich über das wirkliche Leben unserer Eltern? (Hat es uns damals in allen Details überhaupt interessiert?) Hatten wir nach dem Anschauen von Filmen aus der Sowjetunion immer einen zutreffenden Eindruck von den dortigen Lebensbedingungen? Wohl kaum; wahrscheinlich nicht mal bei den wahrhaftigen.

Was die DDR-Erfahrung(en) betrifft: Ja, es hat sie gegeben, die geglückten und mißglückten Fluchtversuche. Und sie werden ihre eigene Dramatik gehabt haben. Und die Leute hatten ihre Gründe, warum sie das Risiko eingingen (ohne das Ausmaß vielleicht immer zu kennen). Nicht meine Baustelle - aber ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, daß Menschen ganz zurecht anders ticken als ich selbst. Die DDR-Staatsgewalt hat auch manchen Mitmenschen ganz übel mitgespielt, wie ich es diesem Land nicht zugetraut hatte. Und wofür ich mich noch heute stellvertretend schäme. (Es gibt da z. B. Gedächtnisprotokolle aus den Tagen vor 29 Jahren - hab gerade keinen Zugriff auf das Buch.)

Und noch etwas zu dem "Klassentreffen" von Wenzel. Ich schätze ihn sehr mit seiner Intellektualität. Aber gerade dieses Lied hat für mich immer einen schalen Beigeschmack. Es hat etwas von Abgrenzung: Ihr seid die Doofen, und nur ich bin der Durchblicker. Könnte ja sein, daß es für seine Schulklasse sogar zutrifft. Und ich kenne auch andere, die sagen: "Klassentreffen? Nie!" Aber was ist das für ein Menschenbild? Ich teile das jedenfalls nicht. Und von Gundi kann ich es mir auch nicht vorstellen.

Um hier nicht nur Groll abzuladen, eine Literaturempfehlung in Sachen Klassentreffen:
Julia Schoch "Schöne Seelen und Komplizen".

Einen insgesamt guten Oktober wünscht allen
Wolfgang

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Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.
(Hanlons Rasiermesser)

In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
(Robert Green Ingersoll)

 

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