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Folker 02/18 Diskussion Fortsetzung (Infos)

verfasst von Christine(R), 29.03.2018, 17:14

Gundi war ein Unbequemer, und es ist davon auszugehen, dass er diesen Spruch auch in diesem Sinne gesagt hat. Ähnlich wie Manfred Maurenbrecher sich um sein Image keine Sorgen macht, war ihm das vermutlich auch herzlich egal. Vielleicht hat er diesen Spruch im Tagebau aufgeschnappt. Ich denke schon, daß er auch hinter dem Spruch stand, zumindest zeitweise. Es sind übrigens keine Fakts, die er da herausgehauen hat. In China wird nur in wenigen Provinzen Hund gegessen, und z.Bsp. gerade in Sachsen wurde auch Hund gegessen, noch im 20. Jahrhundert. Beides war mir auch nicht wirklich klar. https://de.wikipedia.org/wiki/Hundefleisch.

Also alles ganz einfach? Gundi hat ein bißchen Alltagsrassismus blöderweise in einem Interview und bei einer Veranstaltung herausgeblökt? Und wir alle sind schlauer und weniger rassistisch und besser als er und die Tagebaukumpel? Von wegen. Ich muß täglich meinen Rassismus im Umgang mit meinen schwäbischen Nachbarn bekämpfen. Ein Zusammenleben mit ihnen ist auch manchmal nicht so einfach. Und es war ein kleines Stück Arbeit, dass für mich längst ein Russe nicht automatisch mehr jemand ist, der Frauen und Kinder vergewaltigt. Das liegt auch ganz sicher daran, dass ich erstmalig mit 19 Jahren einen Russen in natura gesehen habe. Und wer ehrlich ist, weiß, dass jeder von uns mehr oder weniger zu solchen Annahmen neigt und sich nicht in jeder Lebensphase ausreichend von solchen Vorurteilen freimachen kann.

Es ist schön, dass Gundi absolut offen war für eine multikulturelle Umgebung, als er sie zusammen mit Manfred erlebte. Der springende Punkt ist, dass er hier diese Offenheit zeigen und sie auch so klar und einfach formulieren konnte, wie er es dann Manfred gegenüber tat. Und diese Klarheit und Einfachheit ist ja auch in Gundis Liedtexten etwas ganz Besonderes und ihm Eigenes. Es ist auch besonders schön, wenn jemand wie Manfred über so ein Erlebnis mit ihm berichtet. Wenn man miteinander auf Tournee geht, lernt man sich gut kennen, das bleibt da nicht aus. Und es passt zu Manfred, und es ist auch richtig, dass er von uns auch eine kritische oder zumindest wache Auseinandersetzung mit Gundi erwartet. Aber es passt auch zu uns, daß wir eigentlich gewußt und gespürt haben, daß Gundi so flexibel ist und spielend an einem Abend eine solche Entwicklung durchmacht. Es ist ein kleines Geschenk, von Manfred im Wortlaut zu hören, wie Gundi sich ausgedrückt hat und daß es wirklich so möglich war.

Das einzige Heilmittel gegen Rassismus ist vermutlich, mit Menschen anderer Kontinente und Länder zu tun zu haben? Reisen hilft, und die Begegnung mit anderen Menschen, die einem andere Menschen aus anderen Kontinenten und Ländern nahebringen? Was denkt Ihr? Ich glaube, dass Manfred Maurenbrecher damit Recht hat, dass Musik eine ganz große Hilfe ist! Neulich habe ich ein ganzes Konzert lang einen gebürtigen Russen bei uns in Reutlingen zum Jubiläum der Oktoberrevolution Lieder in seiner Muttersprache singen hören. Das half mir. Es hilft mir auch, wenn ich mitbekomme, dass Freunde und Liedermacher aus Ostdeutschland einen besseren und direkteren Bezug zu Russland und seinen Bewohnern haben. Man lernt auch durch Nachahmung und die Offenheit der Anderen. Vielleicht würde es auch mal helfen, wenn in der gesamten Republik die enorme Anpassungsleistung der Menschen in den ostdeutschen Bundesländern mehr gewürdigt würde. Aber was machen wir dann mit den doch zahlreichen Nazis/Rechtspopulisten in den westlichen Bundesländern? Wie bitte ist denen zu helfen?

Ich denke, es ist für unseren Verein wichtig, solche Themen auch zu diskutieren, auch mit dem Thema Stasi offen umzugehen. Und durchaus auch im 20. Todesjahr. Deswegen machen wir ja ein Symposium und keinen Gottesdienst, uff gott bewahre. Und der Film wird noch sein Übriges dazutun. Ich habe gar nichts dagegen, wenn mein Hirn durch ihn ein wenig durchgepustet und gefordert wird.
Aber der schönste Moment ist dann eben doch, wenn ich in Hoywoy vor Pilles Mischpult auf den Stufen sitze, und es kommt jemand, der setzt sich dazu und sagt:“ Ach weißt du, an Gundi kommt doch gar keiner heran“ . Und ich höre im Stillen eines seiner Lieder, muß kein bißchen überlegen und stimme ihm einfach zu. Deswegen ist Gundi kein Held und kein Heiliger. Es sind nur seine Lieder, die eine einzigartige Kraft und Tiefe haben.

 

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