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Pfeffi(R)

07.03.2018, 13:09
(editiert von Pfeffi, 07.03.2018, 13:15)
 

Folker 02/18 (Infos)

Der "FOLKER" (Magazin für Folk, Lied & Weltmusik) Nr. 02/18 ist soeben erschienen. Er enthält u.a. folgende Beiträge:

Ein Artikel "Ein Abend in der Fremde - Alle oder keiner, global" von Manfred Maurenbrecher setzt sich teilweise kritisch mit Gundi auseinander. Mag sich jeder seine eigene Meinung dazu bilden (Seite 49).
Unter www.folker.de ist nur der Anfang des Artikels zu sehen.

Ein Bericht über das Konzert von Dresen/Prahl & Band in Hoyerswerda (Seite 61/62).

Kurzartikel zum Gundermann-Europa-Projekt sowie 15 Jahre Bartsch & Band (Seite 8/9).

Dazu viele Termine, CD- und Buchtipps und andere interessante Artikel. Lohnt sich. Den Folker gibts in den Presse-Buch-Läden in größeren Bahnhöfen sowie im Abo.

Wer möchte, kann hier seine Meinung zum streitbaren Artikel von Manfred Maurenbrecher äußern - vor allem für diejenigen, die nicht bei Facebook sind.

Christine(R)

29.03.2018, 17:11

@ Pfeffi

Folker 02/18

Lieber Pfeffi, ich finde es sehr gut, dass du die Diskussion angestoßen hast, vielen Dank. Bei Facebook ist es noch nicht zu einer Diskussion des Artikels gekommen. Er wird ja bei Facebook auch gar nicht abgedruckt.
Ich weiß auch aus erster Hand, daß Manfred Maurenbrecher an Feedback interessiert ist.

Wir haben Manfred Maurenbrecher am Samstag in Blaubeuren beim Konzert erlebt, ein äußerst erfahrener Liedermacher mit sehr schönen und klugen Liedern, der sehr interessante Zwischentexte erzählt. Und mit dem Artikel hat er eines der wenigen Zitate von Gundi ausgewählt, die mir tatsächlich manchmal Bauchschmerzen machen. Das Zitat wurde übrigens auch vom Schwäbischen Tagblatt zitiert, als Gundi einmal in Tübingen war (1994, er bekam dort mit der Seilschaft den Jahrespreis der Liederbestenliste).

Was wissen wir darüber, warum Gundi diesen Spruch wiederholt hat? Er stammt ja nicht von ihm, wird häufig angeführt, wenn man darauf hinweisen will, dass verschiedene Kulturen nicht gut zusammen passen und ihr Zusammenleben schwierig ist. Ich mag den Spruch nicht. Allerdings engagiere ich mich für Gundi auch nicht in dem Glauben, hier einen Helden zu verehren. Aus dem Alter bin ich heraus, und alle anderen im Verein auch. Gundi war ein normaler Mensch, der das gute Recht hat, sich auch mal nicht sehr diplomatisch oder ungeschickt zu verhalten oder Unsinn zu reden. Auch wenn er für unser Empfinden Lieder geschrieben hat, wie sie schöner kaum sein können. Das eine hat mit dem anderen nicht wirklich etwas zu tun.

Aber in den aktuellen Zeiten sind wir alle nicht zu Unrecht sehr empfindlich. Rechtspopulistische Parteien sind in westlichen und östlichen Bundesländern zunehmend erfolgreich. Einen Rassisten aber möchten wir alle nicht unterstützen. Das tun wir aber auch nicht. Wer solche Lieder geschrieben hat, wie dies Gerhard Gundermann tat, kann kein Rassist gewesen sein. Nicht umsonst hat Manfred Maurenbrecher auch den Liedtitel „alle oder keiner“ zitiert, das wurde auch zur Überschrift des Artikels gekürt. Mit dem Zusatz: „global“, und das ist ja auch kein Zufall, sondern der aktuellen Lage geschuldet, und auch der Entwicklung, die Gundi gemacht hat, wie sie in diesem Artikel beschrieben ist. Und Manfred hat nicht wie wir nur in den Schütt-Interviews sondern richtig auf Tournee von Gundi mitbekommen, wie „wach und beweglich sein Denken zu wandern liebte zwischen etablierter Wahrheit und Spekulation“.

Manfred Maurenbrecher ist ähnlich wie Gundermann ein Liedermacher, der um heiße Themen keinen Bogen macht. Ein unbequemer, dem sein Image ziemlich schnuppe ist. Und der unermüdlich gegen neue und alte Rechte im Internet schreibt und ihnen Paroli bietet. Der dabei auch sehr linke Ansichten vertritt, mit denen er sich in den westlichen Bundesländern auch nicht viele Freunde macht. Man bekommt eine Idee, warum ausgerechnet er und Gundi damals zusammen auf Tournee geschickt wurden. Um den heißen Brei herumreden ist seine Sache nicht, also auch nicht um dieses Zitat. Wir haben jetzt angesichts der aktuellen Debatten um den Faschismus eine Diskussion um dieses Zitat nicht geführt - wenn doch, habe ich es nicht mitbekommen. Wir organisieren – für Diskussion bleibt da oft nicht viel Zeit. Für die Brigade Brigitta und andere Facebook-Gundermann - Fans war Gundi derjenige, der uns Mut gegeben hat und Kraft, wenn uns die Diskussionen im Internet mutlos gemacht haben und sie uns geschmerzt haben. Viele Statements von Rechten sind unerträglich, das Auszuhalten kostet viel Kraft, ich habe das Diskutieren im Internet deswegen irgendwann weitgehend aufgegeben (Manfred Maurenbrecher übrigens nicht). Gundi war hier in unserer Wahrnehmung eher unser“ Freund“, wenn er auch seit fast 20 Jahren nicht mehr am Leben ist. Erleichtert wird das noch dadurch, dass die meisten Rechten eher keine Gundermann-Freunde sind und ihn für unerträglich links halten. Wir haben daher unbewusst einfach angenommen, dass er auf unserer Seite wäre, was im Grunde ja schon einen Übergriff auf ihn darstellt. Er hat ja keine Chance mehr, dazu etwas zu sagen. Wir können nur einige Zeitzeugenberichte und Zitate anführen, mehr geht nicht.

Christine(R)

29.03.2018, 17:14

@ Christine

Folker 02/18 Diskussion Fortsetzung

Gundi war ein Unbequemer, und es ist davon auszugehen, dass er diesen Spruch auch in diesem Sinne gesagt hat. Ähnlich wie Manfred Maurenbrecher sich um sein Image keine Sorgen macht, war ihm das vermutlich auch herzlich egal. Vielleicht hat er diesen Spruch im Tagebau aufgeschnappt. Ich denke schon, daß er auch hinter dem Spruch stand, zumindest zeitweise. Es sind übrigens keine Fakts, die er da herausgehauen hat. In China wird nur in wenigen Provinzen Hund gegessen, und z.Bsp. gerade in Sachsen wurde auch Hund gegessen, noch im 20. Jahrhundert. Beides war mir auch nicht wirklich klar. https://de.wikipedia.org/wiki/Hundefleisch.

Also alles ganz einfach? Gundi hat ein bißchen Alltagsrassismus blöderweise in einem Interview und bei einer Veranstaltung herausgeblökt? Und wir alle sind schlauer und weniger rassistisch und besser als er und die Tagebaukumpel? Von wegen. Ich muß täglich meinen Rassismus im Umgang mit meinen schwäbischen Nachbarn bekämpfen. Ein Zusammenleben mit ihnen ist auch manchmal nicht so einfach. Und es war ein kleines Stück Arbeit, dass für mich längst ein Russe nicht automatisch mehr jemand ist, der Frauen und Kinder vergewaltigt. Das liegt auch ganz sicher daran, dass ich erstmalig mit 19 Jahren einen Russen in natura gesehen habe. Und wer ehrlich ist, weiß, dass jeder von uns mehr oder weniger zu solchen Annahmen neigt und sich nicht in jeder Lebensphase ausreichend von solchen Vorurteilen freimachen kann.

Es ist schön, dass Gundi absolut offen war für eine multikulturelle Umgebung, als er sie zusammen mit Manfred erlebte. Der springende Punkt ist, dass er hier diese Offenheit zeigen und sie auch so klar und einfach formulieren konnte, wie er es dann Manfred gegenüber tat. Und diese Klarheit und Einfachheit ist ja auch in Gundis Liedtexten etwas ganz Besonderes und ihm Eigenes. Es ist auch besonders schön, wenn jemand wie Manfred über so ein Erlebnis mit ihm berichtet. Wenn man miteinander auf Tournee geht, lernt man sich gut kennen, das bleibt da nicht aus. Und es passt zu Manfred, und es ist auch richtig, dass er von uns auch eine kritische oder zumindest wache Auseinandersetzung mit Gundi erwartet. Aber es passt auch zu uns, daß wir eigentlich gewußt und gespürt haben, daß Gundi so flexibel ist und spielend an einem Abend eine solche Entwicklung durchmacht. Es ist ein kleines Geschenk, von Manfred im Wortlaut zu hören, wie Gundi sich ausgedrückt hat und daß es wirklich so möglich war.

Das einzige Heilmittel gegen Rassismus ist vermutlich, mit Menschen anderer Kontinente und Länder zu tun zu haben? Reisen hilft, und die Begegnung mit anderen Menschen, die einem andere Menschen aus anderen Kontinenten und Ländern nahebringen? Was denkt Ihr? Ich glaube, dass Manfred Maurenbrecher damit Recht hat, dass Musik eine ganz große Hilfe ist! Neulich habe ich ein ganzes Konzert lang einen gebürtigen Russen bei uns in Reutlingen zum Jubiläum der Oktoberrevolution Lieder in seiner Muttersprache singen hören. Das half mir. Es hilft mir auch, wenn ich mitbekomme, dass Freunde und Liedermacher aus Ostdeutschland einen besseren und direkteren Bezug zu Russland und seinen Bewohnern haben. Man lernt auch durch Nachahmung und die Offenheit der Anderen. Vielleicht würde es auch mal helfen, wenn in der gesamten Republik die enorme Anpassungsleistung der Menschen in den ostdeutschen Bundesländern mehr gewürdigt würde. Aber was machen wir dann mit den doch zahlreichen Nazis/Rechtspopulisten in den westlichen Bundesländern? Wie bitte ist denen zu helfen?

Ich denke, es ist für unseren Verein wichtig, solche Themen auch zu diskutieren, auch mit dem Thema Stasi offen umzugehen. Und durchaus auch im 20. Todesjahr. Deswegen machen wir ja ein Symposium und keinen Gottesdienst, uff gott bewahre. Und der Film wird noch sein Übriges dazutun. Ich habe gar nichts dagegen, wenn mein Hirn durch ihn ein wenig durchgepustet und gefordert wird.
Aber der schönste Moment ist dann eben doch, wenn ich in Hoywoy vor Pilles Mischpult auf den Stufen sitze, und es kommt jemand, der setzt sich dazu und sagt:“ Ach weißt du, an Gundi kommt doch gar keiner heran“ . Und ich höre im Stillen eines seiner Lieder, muß kein bißchen überlegen und stimme ihm einfach zu. Deswegen ist Gundi kein Held und kein Heiliger. Es sind nur seine Lieder, die eine einzigartige Kraft und Tiefe haben.

Christine(R)

29.03.2018, 18:26

@ Pfeffi

Folker 02/18

Vielleicht wäre eine wichtige Hilfe gegen Rassismus noch Humor? Davon hatte Gundi ja nicht zu knapp, auch bei schwierigen Themen, man denke nur an "Sieglinde" oder an den Zwischentexten, in denen französische Gäste im Ort sind und die Glatzen, die sie eigentlich zusammenhauen wollen, dann mit ihnen feiern wollen.

wmeyer(R)

30.03.2018, 01:39

@ Pfeffi

Folker 02/18

Liebe Christine, lieber Pfeffi,

es war gar nicht so einfach, das "Folker"-Heft zu bekommen. Erst bei der Bahnhofsbuchhandlung "Ludwig" wurde ich fündig, die "Eckert"-Läden waren anscheinend zu klein.

Als ich dann den Manfred-Maurenbrecher-Artikel gelesen hatte, dachte ich verblüfft: Wo ist der Punkt zum Streiten?

Damit auch heftlose Leser mitdenken können, hier die entsprechende Passage bei M. M. über ein Begebnis mit Gundi 1992:

"... Ehe wir einen kleinen Ausschnitt aus unserem Programm 'Doppelkopp' spielen, erklärt er, aus Hoyerswerda kenne er genug Vietnamesen, und er müsse schon sagen, sie seien anders - wir Deutschen hätten Hunde zur Jagd und manchmal auch zum Freund, und die würden sie essen. Das vertrage sich eben schlecht. Natürlich kommt da auch Widerspruch. Ein erregter Zuhörer erklärt: 'Ich begleite dich schon so lange, durch all die Windungen deiner Entwicklung, mit Sympathie und Interesse. Aber dass du auf diesen ekelhaften Zug hier jetzt aufspringst.' ..." (Folker 2/2018, S. 49)

Dieser Gundi-Gedanke ist mir nicht unbekannt, ich werde ihn also in einem seiner Konzerte gehört haben. Was ist daran ekelhaft? Ich führe nur manchmal einen Hund aus und esse noch seltener asiatisch, kenne mich damit also nicht aus. Aber daß verschiedene Kulturen ihre Eigenheiten haben und beim unmittelbaren Zusammenleben zumindest Irritationen erzeugen, ist doch inzwischen eine Binsenweisheit. Das fängt bei den Speisen an (Schweine, Meerschweine, Algen, ...), geht über den Tagesablauf (Siesta, rollende Schicht, ...) bis hin zur Müllablage und Ampelrespekt.

Vielleicht war Gundi an dieser konkreten Stelle einem Gerücht aufgesessen. Aber das ändert nichts am Grundproblem. Wir lesen gern Bücher und Artikel, die humorvoll beschreiben, wie anders, manchmal auch (be)fremd(lich) uns nicht-deutsche Völker vorkommen. Leider werden wohl keine analogen Bücher von Ausländern, die den anderen _unsere_ "Eigenheiten" auflisten, ins Deutsche rückübersetzt.

Es gibt aber im Deutschlandfunk Kultur die Sendereihe "Typisch deutsch?", donnerstags 17:50 Uhr - z. B. http://www.deutschlandfunkkultur.de....de.html?dram:article_id=414029)

Daß das Kulturen-Miteinander schwierig sein kann, mußte auch Barbara Thalheim erfahren, die für eine Weile in einem entsprechenden Berliner Bezirk wohnte. Wo ecken Deutsche an, wenn sie ins Ausland ziehen? Aus der Distanz läßt sich wohlfeil urteilen - vor Ort und konkret ist es oft schwieriger. Gundi war sicher jemand, der sich und uns ungern etwas vormachte. Was Illusionen nicht ausschließt.

Die von Manfred Maurenbrecher erzählte Geschichte nimmt ja auch ein gutes Ende. Er entführt Gundi in Berlin-Kreuzberg in sein multikulturelles Lieblingscafè. Und die dort gerade erlebbare Harmonie ließ Gundi leise sagen: "Da geht einem ja fast das Herz über."

Wer jetzt denkt, er kenne den ganzen Artikel, irrt - das war nur die Rahmenhandlung. Macht Euch auf den Weg, z. B. in eine Bibliothek, und lest. Es lohnt sich.

Gesunde und frohe Ostern
wünscht Wolfgang

PS: Macht es uns eigentlich etwas aus, im Song "Europa" von den "Vorstadtvietschies" zu singen?

---
Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.
(Hanlons Rasiermesser)

Ines(R)

30.03.2018, 09:30

@ wmeyer

Folker 02/18

»
» Dieser Gundi-Gedanke ist mir nicht unbekannt, ich werde ihn also in einem
» seiner Konzerte gehört haben.

Aus dem 'roten' Buch:
(Gerhard Gundermann: Rockpoet und Baggerfahrer Gespräche mit Hans-Dieter Schütt Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)

S.262-265
"... Die Vietnamesen waren am ruhigsten. ... In so einer Industriestadt, in der durch das Arbeitsregime sehr viel genormt ist, existiert eine ledigleich schmale Bandbreite an Toleranz. Der Industriearbeiter ... hat keine Lust, die Arbeit des anderen mitzumachen, ...
Es geht nicht darum, alles zu vermanschen, sondern das Fremde auszuhalten. ...
Wenn es Leuten so schlecht geht, daß sie ihr Land verlassen, ist das böse. Wenn sie aber alle zu uns kommen, wird das auch böse. Man muß den Menschen dort helfen, wo sie leben. Das ist die Art Hilfe, bei der ein einzelner nichts ausrichten kann. Da muß der Staat ran. Und ich bemesse eine Gesellschaft schon danach, wie sie das Problem regelt."

Auch zum Thema:
S.75
Fürchtest Du Dich vor den Armen dieser Welt?

Christine(R)

30.03.2018, 14:37

@ wmeyer

Folker 02/18

Hallo Wolfgang, ja, ich hab das ähnlich gesehen, streiten muß man darüber nicht. Der Folker hatte nur die ersten Abschnitte als kleinen "Teaser" (so heißt das wohl heute) veröffentlicht, und das klang dann schon so, als würde da einiges noch nachkommen und als gäbe es vielleicht zu streiten. Ich denke, deswegen hat Pfeffi es so formuliert.

Christine(R)

30.03.2018, 17:21

@ wmeyer

Folker 02/18

Hallo Wolfgang, kann wegen Kochen für Kinderschar nur in Raten schreiben :). Danke für das Zitieren aus dem Text. Das hilft schon sehr, wenn die Zitate hier nochmal ausführlich nachzulesen sind. Ich glaube, das Problem ist, daß viele Rechte sich gerne hinter einem solchen Spruch verstecken, auch zum Beispiel dahinter, daß man doch den Menschen zu Hause helfen müßte.
Was natürlich absolut richtig ist. Niemand sollte sein Land verlassen müssen. Da tut ja jeder auch viel dafür, daß das geht, nur meist die Politik nicht, und nicht die Industrie, nicht die Rüstungsindustrie vor allem, da können wir noch so viel ein SOS Kinderdorf- Kind unterstützen oder gottweißwofür spenden.....Das bedeutet, daß man viele einfache Dinge nicht mehr in einem einfachen Satz sagen kann, sondern einiges dazusagen muß, damit man nicht in den Topf mit den Rechten geworfen wird. Gundi sagt das Dazu, indem er die Gesellschaft kritisiert, wie Ines zitiert hat. Und die ist seit seinem Tod nicht besser geworden, vielmehr die Kräfte, die in dieser Gesellschaft wirken, sind ja eigentlich noch skrupelloser geworden. Nachzuhören ja auch in Sillys Lied vom Vaterland oder anzusehen in der aktuellen Politik beim Thema Afrin oder Krieg im Jemen.

Pfeffi(R)

03.04.2018, 12:23

@ Christine

Folker 02/18

Liebe Christine, lieber Wolfgang,
nun ist es ja doch zu einer intensiven Diskussion zu Manfred Maurenbrechers Artikel gekommen. Ich sehe es genau so wie ihr, zumal Gundi sich ja nicht mehr zu diesem Thema und der heutigen Politik äußern kann. Man muss ja auch die damalige Zeit betrachten, kurz nach der Wende. Da war für uns in Hoywoy vieles neu, was wir nicht kannten. Und Gundi hörte sehr auf die Meinung des einfachen Arbeiters. Das muss nicht unbedingt seine Meinung gewesen sein, wie es Manfred am Ende seines Artikels über die multikuturelle Begegnung in Berlin beschreibt. Ich denke doch, dass wir uns mit Manfred im Juni in Hoywoy noch mal darüber austauschen können.

Noch etwas: Ich finde es gut, wenn wir hier und nicht bei der Datenkrake Fakebook diskutieren.

Christine(R)

03.04.2018, 12:56

@ Pfeffi

Folker 02/18

Huhu Pfeffi, ich glaube, Gundi war ja auch sowas wie ein Sprachrohr der Tagebauarbeiter. Er hat immer wieder mal Ausdrücke aus dem Tagebau übernommen, die man heute auch nicht mehr so gebrauchen würde. Wer nennt heute schon seine Liebste "meine Alte"? Deswegen hat er Conny nicht mehr oder weniger geliebt. Aber er hat sich eben auch mit den Tagebauarbeitern und ihrer Sprache identifiziert. Das mögen wir ja auch an ihm sehr, denke ich mal.

Und Sprache ändert sich. Mein Sohn schreibt gerade seine Bachelorarbeit. Wie viele seiner männlichen Kommilitonen nutzt er die weibliche Form anstelle der männlichen, die für beide Formen steht. Er schreibt über die Rolle eines prädominanten Anführers, indem er ihn die prädominante Anführerin nennt. So verändert sich Sprache. Ich sehe dann immer vor meinem geistigen Auge Angela Merkel oder Margret Thatcher, aber ich bin halt nicht mehr die Jüngste. Die jungen Leute werden die Sprache nochmal verändern wie wir es uns gar nicht vorstellen können.

Und gute Frage auch zu den Vorstadt-Fidschis - wie so oft bei Europa fragt man sich natürlich, wenn zum Teufel er damit meinte? Eine Frage, die man sich bei dem Lied bei nicht wenigen Formulierungen stellt, aber egal, es ist trotzdem wunderschön. Auch ein Neger kommt vor, das Wort steht aber auch in meinem Pippi-Buch aus den 60er Jahren. Sprache ändert sich eben nur langsam.

Ich denke, daß die Wende damals viel zu heftig und chaotisch lief. Und wenn man auf diese Weise Menschen von einem Gesellschaftssystem in das nächste purzeln läßt oder vielmehr schmeißt, dann ist es ein Unding, ihnen dann auch noch Tausende von Flüchtlinge in neue Bundesländer zu setzen, die sich erstmal selbst finden müssen und dafür auch die Zeit brauchen. Das ist einfach nur rücksichtslos gelaufen,eigentlich skandalös, und so waren Konflikte vorprogrammiert. Das muß man nur so formulieren, und es nicht an den Schwächsten auslassen und rassistischer Vorurteile frönen.

Ich bin auch sehr gespannt auf die Diskussionen beim Symposium. Bei Facebook bin ich immer am glücklichsten über die Diskussionen zu den einzelnen Liedern von Gundi. Wenn ich es schaffe, fasse ich da mal was zusammen, wir hatten über das Lied "Fragen" oder über "Hungerherzen" gesprochen. Es schalteten sich sehr schnell Leute ein, die wirklich Ahnung haben wie Hugo natürlich und Henry-Martin Klemt oder Frank Viehweg. Das geht dann auch mal nur mit einem kleinen Foto oder einem kurzen Zitat aus einem LTL: jeder trägt etwas bei....so gehe ich dann meist mit einem gehörigen Wissenszuwachs nach Hause....

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