Vereinstreffen 2009 - ein Rückblick

(19.-21.6.09)

Ich habe es versprochen. Ich hatte Sabine den Bericht versprochen, und Euch allen später auch. Und so will ich versuchen, das Versprechen auch einzulösen.

Genau zwei Monate ist es inzwischen her, unser diesjähriges Vereinstreffen. Neben der Zeit, die man für das Schreiben solcher Berichte braucht, gab es dieses Mal eine Ursache, die vieles schwerer als üblich machte - der Tod von Bernd Nitzsche. Einige von uns wußten, daß Bernd krank war, sehr krank. Wie schlimm es um ihn stand, wollte ich mir nicht eingestehen, und anderen mag es ähnlich ergangen sein.

Dann die bittere Nachricht am 8. Juni und später die Info über die Beerdigung am 19. Juni. In Verbindung mit der KuFa änderten wir kurzfristig die Planungen für diesen Tag. Aus dem Motto "es ist doch mein land" wurde "immer nur auf messers schneide".

Freitag 13 Uhr zur Beerdigung waren viele Menschen gekommen, auch eine ganze Reihe aus unserem Verein. Man gedachte Bernd besonders als jemandem, bei dem man guten Rat suchte und auch guten Rat bekam. Als der Sarg mit ihm dann zu seinem Ruheplatz geführt wurde, gab es eine Überraschung: Es ist der Platz links neben Gundis Grab. Zufall? Wunsch? Vorsehung? Ich habe nicht gefragt.

Die KuFa hatte eingeladen, sich nach der Beerdigung dort zu treffen und Bernd zu gedenken. Die Vereinsmitglieder fanden sich vorrangig auf der Terrasse wieder, unsere erst kleine Schar wurde größer. Mancher hatte nur Zeit für einen Besuch am Freitag, bei anderen traf ähnliches für Sonnabend zu. Thomas Bachmann brachte die Idee mit, zum Gedenken an Bernd Nitzsche auf dem KuFa-Freigelände eine Ribbeck-Birne zu pflanzen, und den Jungbaum gleich auch. So geschah es dann.

Abends spielten zur Erinnerung an Bernd im Saal Johan Meijer - begleitet von Alfons Förster auf dem Cajon -, die Musikschul-Gruppe "Nachspiel", Christian Völker und abschließend Jörg Bogatke.

Am nächsten Tag mittelfrüh die Mitgliederversammlung mit Rückblick, Diskussionen um die zukünftige Arbeit und Vorstandswahl. Wie schon öfter dachte man mittendrin "Heute liegen wir aber gut im Plan", und zum Ende wurde die Zeit doch noch knapp.

Die Pena am Abend war klanglich akustisch (oder "unplugged") geprägt, ich erinnere mich an musikalische Beiträge von Christian Völker, Johan Meijer und Jörg Bogatke. Vielen gefiel das sehr gut, einigen war es so doch zu ruhig - da spielte wohl auch eine Rolle, wie nahe der Tod von Bernd einem war. Kulinarisch konnten wir uns besonders wieder an Hauswalds Empanadas, Bachmanns Thüringer Spezialitäten und Erdbeertorte von Renate Ruynat erfreuen. Am Grill wirkten für uns Reinhard Bär und Norbert Schneider, andere Helfer habe ich leider vergessen.

Richtig laut wurde es danach im Saal beim Konzert der Gruppe "Wortfront". Die Meinungen hinterher waren geteilt. Musikalisch sehr sauberes Handwerk (insbesondere verblüffte der Cellist), aber bei den Texten sprang zu selten ein zündender Funke herüber. Sicher auch nicht einfach für die Band, wenn der Saal nur locker besetzt ist. Manche der Texte waren etwas drastisch in der Wortwahl, die Pointen wirkten mitunter konstruiert. Aber Österreicher ticken gewiß auch etwas anders als Einheimische, und als Tochter von Georg Kreisler ist es vielleicht auch nicht leicht, den Papa mit intelligenter Bissigkeit zu übertreffen. Ich finde jedenfalls, die Gruppe hat Potential, das sie leider nur teilweise mit Gewinn für alle nutzte.

Der kulturelle Höhepunkt des Vereinstreffens fand aus meiner Sicht dann unerwartet am Sonntag statt. Die Stadtführung mit der Architektin Dorit Baumeister war so ein Erlebnis, daß ich alle nur bedauern kann, die keine Zeit oder Lust dafür hatten. Wir haben von ihr so viel über das Wachsen und Vergehen von Hoywoy Neustadt erfahren - die visionären Anfänge, die beängstigenden Wachstumsvisionen dazwischen und die düsteren Entwicklungskorridore jetzt. Ich sehe Stadtrückbau nun mit anderen Augen und fühle die menschliche Dramatik. Ich erinnere ihre Worte von den Jugendlichen, die bis zum Schulabschluß ihre Stadt erobern, aber schon wissen, daß sie danach "vertrieben" werden - aus Mangel an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Bitter für die Gehenden, und für die Zurückbleibenden ebenso...

Um aber doch ein wenig heiter zu enden: Frau Baumeister führte uns auch zur "Malplatte", einer Initiative u. a. der KuFa, die sich mir in ihrer Bedeutung erst vor Ort erschloß. Ein leergezogener Wohnblock, der in Kürze abgerissen wird, stand etliche Wochen zur Verfügung, künstlerisch benutzt zu werden. Was man da sah, konnte einen teilweise umhauen ob der Pfiffigkeit. Mittendrin ein ganz komisches Gefühl im Bauch, weil man selbst einmal viele Jahre in einer ähnlichen Wohnung, gleich mit den Menschen über und unter einem, gewohnt hat. Und nun das ganze Gebäude leer und doch nicht leer. Irritierend...

Dazu paßt vielleicht das Gundi-Zitat aus 1977, gefunden in der Malplatte: "Wer soll das alles später einmal wegräumen?"

Wolfgang Meyer
Panketal, 19.8.2009


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letzte Änderung: 2009-08-28T00:18+0200