Wochenendseminar "Grüne Armee"
15. bis 17. Mai 2009

Ein Rückblick von Lutz Kirschner

Gundermann hat frühzeitig auf die Klimaproblematik und die Notwendigkeit ökologischer Produktions-, Lebens- und Konsumweisen aufmerksam gemacht. Neben "Halte durch" ist die "Grüne Armee" wohl sein wichtigstes Lied zu diesem Thema, und wir hatten unser Wochenendseminar zur Klimakrise vom 15. bis 17. Mai 2009 in der KuFa unter diese Überschrift gestellt.

Am Seminar haben insgesamt 17 Leute teilgenommen, davon waren 14 Mitglieder unseres Vereins. Mehrheitlich gab es zwar ein gewisses Problembewußtsein, jedoch kaum handfestes Wissen über Energiegewinnung und -technik. Zwei Teilnehmer hatten jedoch als Energieberater und Architekt fundierte Kenntnisse, die sie dann in den Diskussionen auch einbrachten. Ein weiterer Teilnehmer verstand sich als Aktivist der globalisierungskritischen Bewegung und akzentuierte in der Debatte intensiv deren Themen und Problemsicht.

Die Einführung ins Seminarthema erfolgte am Freitagabend auf der Grundlage eines informativen Handmaterials und eines Kurzfilms. Vielfältige Aspekte wurden angesprochen, so u. a.

In der Diskussion wurde die Verbrauchs- und Wachstumsorientierung kapitalistischer Gesellschaften kritisiert und die Leistungsfähigkeit marktförmiger Instrumente des Klimaschutzes problematisiert. Am Beispiel des öffentlichen Nahverkehrs wurde dargestellt, daß Privatisierungen nicht geeignet sind, Wege zu klimagerechten Verhalten zu öffnen. Hingewiesen wurde auf die Konzepte dezentraler erneuerbarer Energiegewinnung, -speicherung und -nutzung. Es gehe darum, die Möglichkeit der Einflußnahme durch die Kommunen, die Bürger vor Ort zu gewährleisten. Auch die Bedeutung der Heizenergie, der Landwirtschaft, insbesondere der Fleischproduktion, und der Verkehrssysteme kam zur Sprache. Zu beachten sei, daß diese klimaproblematischen Verhältnisse durch die mehrheitlich gegebenen Bedürfnisstrukturen hinsichtlich Ernährung, Wohnen und Mobilität gestützt werden.

Am Sonnabend waren wir mit dem Bus in der Lausitz unterwegs, die Tagesexkursion stand unter der Leitung von Sebastian Zoepp. Er stellte die Energiestrategie 2020 des Landes Brandenburg vor. Zunächst ging es zum Tagebau Cottbus Nord, hier wurde die Technologie des Braunkohleabbaus erläutert. Die damit verbundenen ökologischen und sozialen Probleme wurden am nächsten Haltepunkt, dem abgebaggerten Dorf Lacoma deutlich.

Das Vattenfall-Kraftwerk Jänschwalde steht mit einem Wirkungsgrad von ca. 38 für die traditionelle Braunkohleverstromung. Dort gibt es seit 2008 eine Forschungsanlage zur Entwicklung eines Verfahrens der C02-Abscheidung. Im Vortrag eines Mitarbeiters des Lehrstuhls für Kraftwerkstechnik der Uni Cottbus war erkennbar, daß es gegenwärtig offen ist, ob das Verfahren technologisch stabil und ökonomisch tragfähig entwickelt werden kann, von den Problemen der C02-Lagerung ganz zu schweigen - siehe dazu auch einen Beitrag im Greenpeace Magazin.

Danach ging es um Projekte C02-freier, erneuerbarer Energiegewinnung. In dem Dorf Drehnow erfolgte eine Information über den dort zwischen 2003 und 2007 errichteten Windpark. Er wurde durch die Gemeinde geplant und von einem Privatinvestor errichtet. Der jetzige Eigentümer, eine spanische Firma, zahlt Pachtgebühren und Gewerbesteuern im Umfang von jährlich ca. 100.000 € an die Gemeinde, die damit ihre freiwilligen Aufgaben finanzieren kann.

Ein Großvorhaben der Photovoltaik ist das von einem amerikanischen Investor finanzierte Solarkraftwerk Turnow-Preilack. Es ist gegenwärtig noch im Bau und befindet sich auf einem ehemaligen Truppenübungsgelände der Sowjetarmee. In den Vereinbarungen zwischen Land und Investor ist festgeschrieben, daß der Investor die Munitionsberäumung vornimmt und nach etwa 25 Jahre die Anlagen wieder komplett abbaut (Renaturierung). Mit dem Solarkraftwerk werden beträchtliche Mengen C02-Emissionen eingespart werden können.

Im Resümee zur Exkursion stellte Sebastian Zoepp fest: Gemäß der Energiestrategie 2020 soll die Braunkohlegewinnung und -verstromung im Land Brandenburg über 2020 hinaus ein wichtiger Faktor bleiben - was auch bedeutet, daß es zu einem weiteren Dorfsterben und zu starken Eingriffen in Natur und Wasserhaushalt kommt. Ökonomisch gesehen ist dieser Weg sehr zweifelhaft, da die Ergebnissicherheit der Forschungen zur C02-Abscheidung und -lagerung nicht gewährleistet ist. Vom Emissionshandel sind kaum positive Effekte zu erwarten, auch weil unter den Bedingungen der Wirtschaftskrise der Preis der Zertifikate gesunken ist. Positiv an der Brandenburger Strategie ist die Orientierung auf erneuerbare Energien, wobei es insbesondere darum gehen sollte, daß die Kommunen die Prozesse selbst in die Hand bekommen, um lokale positive Effekte zu sichern.

Zum Auswertungsgespräch am Sonntag hatten wir René Schuster eingeladen, einer der Aktivisten der Grünen Liga Cottbus und beteiligt an dem (leider gescheiterten) Volksentscheid gegen neue Tagebaue in der Lausitz. Zunächst wurden die bei der Exkursion besichtigten Beispiele erneuerbarer Energiegewinnung intensiv diskutiert. Zwar sei der Beitrag zur Senkung der C02-Emissionen hervorhebenswert, kritisch angemerkt wurde jedoch, daß keine Einspeisung in lokale Netze stattfindet und auch keine Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden. Als sinnvoll wurden Varianten dezentraler Energiegewinnung mittels Biomasse - dazu gab es eine kontroverse Debatte - und kleinere Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung angesehen.

Beim individuellen und gesellschaftlichen Nachdenken sollte immer überlegt werden:

Was könnte und sollte man selbst tun? Hingewiesen wurde u. a. auf die Möglichkeit von Energieberatung und den Wechsel zu Ökostrom-Anbietern, gleichfalls auf die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs. Statt Wachstum und Effizienz gehe es um ein neues Leitbild: Das der Suffizienz als Bescheidenheit und Respekt gegenüber anderen Menschen, Natur und Umwelt. Bei Wahlentscheidungen wäre zu bedenken, welche Positionen die jeweiligen Parteien und Kandidaten z.B. zu Braunkohleabbau oder Atomstrom vertreten. Abschließend wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es auch zur individuellen Verantwortung gehört, sich für einen menschenrechtlichen Umgang mit Flüchtlingen und Illegalen einzusetzen. Wir werden hier in Deutschland eher mit den sozialen Folgen des Klimawandels als mit diesem selbst konfrontiert - und da ist es nicht unerheblich, ob sich der Westen abschottet oder ob humanitäre Prinzipien Geltung erhalten.

Insgesamt war die "Grüne Armee" ein sehr interessantes thematisches Angebot. Wir haben viele Informationen und Anregungen erhalten, zu einer Thematik, die uns wohl noch lange erhalten bleiben wird.


siehe auch:
Programm

Zum Herunterladen:
Hand-Material
(25 S.; pdf; 1,4 MB)

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letzte Änderung: 2009-06-27T00:35+0200