5. Altenhofer Liedersommer

15. bis 17. August 2008

Sieh nach vorne, spricht der Teufel…“ war das Motto des diesjährigen 5. Altenhofer Liedersommers, zu dem sich Künstler und Freunde in Gedenken an „Gundi“ Gundermann am Ufer des Werbellinsees zusammenfanden. Dass am Wochenende leider daraus auch Wasserspiele wurden, tat dem Inhalt der Veranstaltung keinen Abbruch.

Schon die Fahrt zum See war eine feuchte Angelegenheit - aber nur für’s Transportmittel. Der besorgte Blick von Günter Landmann (Veranstalter) war demzufolge auch nicht ganz unbegründet: Kommen bei diesem Wetter überhaupt Leute?

Ja, sie kamen, und keiner musste es bereuen. Der Freitag war zwar eher den leisen, aber dennoch virtuosen Tönen von Sonny Thet (Bayon) gewidmet, der es wieder exzellent verstand, seine Gäste zum Träumen zu bringen. Die anschließende Lesung von Klara Johanna Lakomy mit dem Einstieg der Frage in Richtung Olympia und Leistungssport wäre bestimmt für alle ein Genuss geworden, wenn für sie ein Mikro vorhanden gewesen wäre. Leider hörte man sie mit zunehmendem Abstand immer weniger, die Reaktion der vorderen Reihen (alle unterm Regendach) zeigte jedoch, dass der Inhalt mehr als ansprechend war. Dass unser Freund Christian Haase zum diesem Zeitpunkt sein Eintreffen mit dezentem Hupen signalisierte, war neben dem Regen auch nicht störender.

Dafür spielte dann Haase den Rest des Abends bei Regen gemeinsam mit allen Gästen rund um ein stark rauchendes Feuer Lieder von Gerhard Gundermann. Und wie es der Zufall wollte, waren am Lagerfeuer hervorragende Gesangsstimmen und Instrumentalisten, welche zu später Nachtstunde sich zu einer exzellenten und virtuos klingenden Session vereinigten. Ein gelungener Abend und Einstieg in den Liedersommer, welcher sich am nächsten Tag qualitativ unter dem Stern der traditionellen Verleihung des Liederpokals "Brunhilde 2008" fortsetzte.

Abgesehen von der Tatsache unterschiedlicher Anfangszeiten und dass wir zu spät waren, war schon die Eröffnung durch Paul Bartsch & Band aus Halle für die noch zahlreicher erschienenen Besucher ein textlicher und musikalischer Genuss, welches man an der Reaktion eines doch fachkundigen Publikums erkennen konnte. Seine gesungenen Geschichten mit den locker hingeworfenen Zwischengeschichten überzeugten alle dabei gewesenen, und ohne Zugabe ging’s nicht ab.

Der eigentlich als Übergang für die Umbaupausen gedachte Surfpoet Tube (Tobias Herre) entpuppte sich als alles Andere als eine Überbrückung. Es war die qualitative Steigerung der Spannungskurve dieser Veranstaltung. Mit gekonnt gedrechselten Sprachbauten bewegte er sich durch den Alltag und durch sowas Profanes wie Arbeit mit ihren Hürden. Irgendwie schienen alle den Poeten Tube zu verstehen. Ergänzt oder weitergeleitet wurden diese sprachlichen Ausflüge durch provokante Texte und gekonnt schräge Gitarrenklänge, begleitet mit einer rauen Stimme, von Marc-Uwe Kling, der noch konkreter seinen Finger in unsere gesellschaftlichen Wunden legte - nein, nicht legte, er bohrte, teilweise hart an der Grenze der Akzeptanz des Publikums, auch wenn er die Kurve zur normalen Sprache schnell wieder fand.

Die Fortsetzung dieses Abends wurde dann sprachlich etwas milder, aber nichts desto Trotz unkonkreter. Die Töne etwas leiser mit der leicht erkälteten Stimme von Barbara Thalheim, Jean Pacalet am Akkordeon und Freunden sorgte einen Moment für einen leichten Ruhepol vor den gemeinsamen Projekten mit Haase & Band. Erst dachte ich, so richtig passen diese zwei Stimmen nicht zusammen, sie harmonieren nicht miteinander. Das war aber nur ein wirklich winziger Moment, bis die Technikeinstellung wieder stimmte. Es war dann auch bestimmt der Höhepunkt des Abends, welchen erst Barbara Thalheim und danach Haase & Band in Szene setzten.

Dass mich persönlich die Texte von Bartsch und die Provokanz von Tube und Kling mehr inspirieren, ist rein subjektiv und hat nichts mit der wirklich hervorragenden inhaltlichen Qualität der beiden Abende zu tun, die ausgezeichnet war.

Am Sonntag-Vormittag eröffnete nicht nur ein Nieselregen den Ausklang des 5. Liedersommers, sondern vielmehr der umfassend als Gitarrist, Komponist, Liedermacher, Texter und Sänger bekannte KO (Jörg Kokott) mit einem einstündigen Kinderprogramm. Dieser schaffte es tatsächlich, gegen Ende des Kinderliedprogramms den Regen von dannen ziehen zu lassen, und KO´s beflügelnder Auftritt erschien nicht nur als ein Genuss für die ganz Kleinen.

Anschließend wagten sich bei trübem Sonnenschein der 31jährige Liedermacher und Gitarrist Stefan Lux in Begleitung seines Bassisten Robert Klose auf die wohl kleinste Bühne Deutschlands. Das hervorragende Zusammenspiel der beiden sympathischen Musiker versetzte die sonntägliche Mittagszeit in ein ganz besonderes Klangbild und verlieh Lux' Texten eine saubere Plattform. Die eher sinnlich-ruhig und dennoch sehr hintergründig angesetzten Texte bekamen durch den 5saitigen Klose-Bass nicht nur eine musikalisch vortreffliche weitere Stimme dazu. Das Publikum - viele sicher noch den Schall und Rauch des Vorabends im Gehör oder Genick - dankten der Harmonie zwischen Gesang und Instrumental durch reichhaltige Begeisterung. Wie schade dass dazu ein Plastebecher-2Schluck-Muntermacher-Kaffee am Getränkestand mit einem Euro pro Schluck angesetzt war.

Zu guter Letzt betrat eine Gibson-Gitarre mit Jan Trottnow zusammen die kompakte Bühne. Das vorrangig arrangierte Thema um die Liebe ließ die Gibson dann doch ins Hintertreffen geraten. Rührend wie ein Lagerfeuer im Regen prasselten Trottnows Texte auf die Kaffeeverzichtenden und wohlwollenden Gäste hernieder. Alles in Allem macht der Liedersommer in Altenhof dem Gedenken an Gundi, der 1996 das Ufer des Werbellinsees betraute, alle Ehre. Und über Kaffeekompositionen lässt es sich wie übers Wetter reden.

Anja Köhler / Jörg Hauswald

siehe auch:
Altenhofer Liedersommer
letzte Änderung: 2008-12-17T13:29+0100