Drei Tage Hoywoy

von Johanna Davids

Am Wochenende vom 18. bis 20. Juni 2004 war es wieder soweit: Unser alljährliches Vereinstreffen in der KuFa Hoyerswerda stand vor der Tür. Viele wichtige Fragen waren in der Mitgliederversammlung am Sonnabend zu klären, doch gab es rund um diesen Schwerpunkt auch wieder ein kulturelles Rahmenprogramm, das sich sehen lassen konnte.

Der Freitagabend bot die Möglichkeit, ganz gemächlich einzutrudeln. Nicht nur räumlich, sondern auch im Kopf. Der Ankömmling wurde zunächst an der Anmeldung mit allen notwendigen Informationen zum Ablauf, mit Materialien zur Mitgliederversammlung und nicht zuletzt (falls benötigt) mit Essenmarken ausgestattet. Schon hier begann die Freude über liebe und teils lang nicht gesehene Gesichter. Diese setzte sich dann beim Durchkämmen der Räumlichkeiten fort, denn an jeder Ecke war irgendjemand zu finden, der einen freudig in die Arme schloss. Es dauerte nicht lange, bis man wieder völlig in der Gemeinschaft angekommen war und sich plaudernd ein ruhiges Plätzchen gesucht hatte. Ein von der KuFa serviertes Abendessen befriedigte dann nach den seelischen Bedürfnissen auch noch die körperlichen.

Derartig gestärkt kam der Beginn des kulturellen Teils des Abends gerade recht. Gleich zwei Hauptprogrammpunkte standen an: Hoywoyer Liederzene und die Dresdner Band Sneppedalen. Der ersten Teil war eine bunte Mischung, die einen Einblick bot in das, was in Hoywoy an Liedermachern lebt und arbeitet. Die Richtungen, in die die Texte und Melodien zielten, waren so unterschiedlich wie die Menschen, von denen sie dargeboten wurden, doch bewegten sie sich alle weit abseits von billiger Unterhaltung.

Eröffnet wurde dieser Querschnitt von Bernd Nitzsche gemeinsam mit Uta Popp und Robert Schuster. Sie sind ja schon aus der F-Band bekannt und so brachten sie denn auch wie gewohnt Gundermann zu Gehör. Ihnen folgte Frank Oehl, der deutsche Nachdichtungen fremdsprachiger Lieder bot. Von ihm wird wohl vor allem der „Entenwatschel-Samba“ im Gedächtnis bleiben, bei dem er es verstand, den verschmitzten Text mit einem hintergründigen Lächeln in der Stimme vorzutragen. Das Lächeln wurde zu einem leichten Grinsen verbreitert, als das Duo Matthias Höll und Jens „Scholle“ Scholze – kurz HöSch – trotz ernster Texte in den zum Großteil selbstverfassten Liedern nicht auf fröhliche Ansagen verzichten wollte. Mit zwei Gitarren gefielen sie nicht nur dem kräftig applaudierenden Schülerfanclub von Musiklehrer Matthias.

Eigentlich schon nicht mehr so recht auf der Ebene Liedermacher(in) bewegte sich Konstanze Niemtz, die mit ihrer Band das Publikum mit einem volleren Klangteppich belegte, als es Gitarren oder Klavier allein vermögen. Gleichwohl tat das natürlich den Ohren gut und so gab man sich gerne den Tönen hin.

Die fünften im Bunde waren Susi Hoffmann und Silvio Paul als Duo Alfalfa. Auch sie wussten zu berühren. Schon allein die Kombination von Geige und Gitarre war gänsehautverdächtig. Mit einfühlsamen Texten reihten auch sie sich in das hohe Niveau des Abends ein. Beim letzten Lied gesellte sich noch Robert Schuster zu ihnen und schaffte damit den fließenden Übergang, als danach der Abschluss der Liedermacher genauso wie der Anfang von ihm und seinen angestammten Spielgefährten Bernd und Uta mit Gundis Liedern gestaltet wurde. Diese Klammer mag auch durchaus auf die nach wie vor große Bedeutung Gundis in der Musikszene Hoywoys verweisen.

Damit war der Abend aber noch nicht zu Ende. Nach kurzer Umbaupause stand dann Sneppedalen auf der Bühne und die jungen Musiker wollten beweisen, dass sie zu Recht beim Rudolstädter Folkfestival ausgezeichnet worden sind. Und was soll man sagen – es ist ihnen gelungen. Mit viel Schwung und Freude an der Musik stellten sie ihr neues Programm vor. Das Publikum allerdings ging nicht so recht mit. Was weniger an der Band lag als an der weit fortgeschrittenen Stunde und dem anstrengenden Tag, den die meisten hinter sich hatten. Die Müdigkeit siegte über die zarte Lust zu tanzen. Stattdessen unterhielt man sich über die Verwandtschaft der Musik zum Klang von Element of Crime und stellte fest, dass diese Dresdner Band durchaus mithalten kann.

Nach Ende des offiziellen Teils verkrochen sich viele auf schnellstem Wege in ihre Betten und Schlafsäcke. Ein paar Enthusiasten allerdings hielten durch und ließen den Abend bzw. Morgen noch ganz gemütlich mit Klampfen und gemeinsamen Singen ausklingen.

Ein kleines Wunder ist es schon, wie diese es dann schafften, am nächsten Morgen wieder aufzustehen. Die KuFa bot ein wohlschmeckendes Frühstück und damit auch eine unerlässliche Voraussetzung für eine konstruktive Mitgliederversammlung. Die begann um 10 Uhr und ihre Ergebnisse sind (bald) im Protokoll nachzulesen.

Wie jedes Jahr zog sie sich bis weit in den Nachmittag und so musste sogar die für 17 Uhr geplante Diskussion „Zur Situation der Linken in Deutschland“ mit leichter Verspätung beginnen. Jedoch lohnte sich das Warten, denn es sollte sich ein interessantes Gespräch entspinnen. Eingeladen waren Bernd Rump – Mitarbeiter der PDS-Fraktion im Sächsischen Landtag – und Florian Weis, der für die Rosa-Luxemburg-Stiftung tätig ist. Wer ob ihres PDS-Hintergrunds eine parteipolitische Engführung der Debatte befürchtet hatte, sah sich positiv getäuscht. Beide vertraten in ihren Diskussionseinführungen differenzierte, problemorientierte Standpunkte (Bernd Rumps Text ist hier nachlesbar). Dass es zwischen ihnen nicht zu vordergründigen Kontroversen kam, hatte letztlich auch den Vorteil, dass die Thematik nicht in einem hitzigen Gespräch der vorn Sitzenden unterging, sondern Raum ließ für Kommentare und Fragen der Zuhörer. So entwickelte sich eine Diskussion zwischen allen Anwesenden und auch nach Ende der Veranstaltung gab es noch Grüppchen, die ihren Gesprächsbedarf zum Thema gemeinsam stillten. Mehr als solche Anregungen kann man wohl gar nicht verlangen.

Nach dem „politischen“ Nachmittag bot der Abend dann wieder Musikalisches. Unter dem Motto „Niemandsland unterm Junimond“ gab es Lieder von Gundermann und Rio Reiser. Erstere wurden gesungen und gespielt von Jörg Bogadtke und Daniel Schramm. Sie brachten auch frühe und selten intonierte Lieder zu Gehör, darunter das „Liebeslied“, das kaum einer der Anwesenden kannte. Diese leise Einstimmung ließ den anschließenden Auftritt der Freiberger Band Wunderbuntd um so stärker wirken. Laut, manchem sogar zu laut schleuderten sie Rios Lieder ins Publikum. Ab und zu schoben sie selbst vertonte Texte von Wolfgang Borchert dazwischen, die sich nahtlos einfügten. Wer fleißig geklatscht hat, der kann sich wohl demnächst auf CD hören, denn das Konzert wurde mitgeschnitten und die Aufnahme soll in Silberlingform gebracht werden.

Wer am nächsten Morgen nicht durch Tinnitus vom Denken abgehalten wurde, der musste feststellen, dass sich das Vereinstreffen schon wieder seinem Ende näherte. Noch war es aber nicht soweit. Die KuFa hatte ihre regelmäßig stattfindende Reihe Das literarische Frühstyxsei - unter das das Thema „Gundermann – härter als der Rest“ gestellt. So konnte man gemütlich frühstücken, ja sogar mit einer Suppe ins Mittagessen hinübergleiten, und dabei Texte aus Interviews und Gundis Zettelkasten hören. Vorgetragen wurden sie von Lutz Kirschner, Jörg Hauswald, Steffen Schippke und Ulrike Wagner.

Anschließend gab es immer noch Menschen, die nicht genug hatten. Diese konnten an der Exkursion ins Bergbaumuseum Knappenrode teilnehmen. Dort lässt sich nicht nur eine Brikettfabrik, sondern auch noch eine Kachelofenausstellung besichtigen. Danach war dann aber wirklich Schluss.

Es bleibt nur noch, allen ganz herzlich zu danken, die an Vorbereitung und Durchführung dieses schönen Wochenendes beteiligt waren. Insbesondere zu nennen ist hier natürlich die KuFa, die mal wieder ein wunderbarer Gastgeber war. Bis zum nächsten Mal!

letzte Änderung: 2008-12-17T13:27+0100